Video- & Lese-Gottesdienst für Sonntag «Quasimodogeniti» 19.04.2020 von Prälat Bernd Böttner


YouTube-Video der EKKW:
Video-Andacht von Prälat Bernd Böttner zum 1. Sonntag nach Ostern, 19. April 2020



Text der Video-Andacht von Prälat Bernd Böttner zum 1. Sonntag nach Ostern, 19. April 2020


„Christ ist erstanden von der Marter alle, des solln wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein.“

Peter Hamburger hat uns auf seine Weise den alten Osterruf zum Klingen gebracht.
„Christ ist erstanden…“. Vielleicht haben sie selbst schon einmal so mitgesungen – in der noch dunklen Kirche am frühen Ostermorgen, begleitet von einem kraftvollen Orgelspiel.
Bläserinnen und Bläser haben den Osterruf am vergangenen Ostersonntag auf unterschiedliche Weise in die Welt hineingerufen. Hinein in eine Welt, die von Corona schwer gezeichnet ist. Eine Welt, die für mich trotz und mit Corona Gottes Welt ist und bleibt.
„Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.“
Dieses Wort der Bibel steht als Überschrift über dem Sonntag nach Ostern.
So feiern wir jetzt im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und strecken uns aus nach der lebendigen Hoffnung für heute und morgen, für eine ganze neue Woche.

Ich möchte beten:
Ich suche dich, Gott,
am Morgen eines jeden Tages,
ich suche dich,
im Licht der heller werdenden Sonne,
bis der Mittag kommt.
Ich suche dich im Dämmerlicht des Abends
und in der Dunkelheit der Nacht.
Du begegnest mir,
am Morgen, am Mittag, am Abend, in der Nacht.
Ich will dich sehen, Gott,
wo du dich mir zeigst. Amen.

Mir ist es am letzten Mittwoch so gegangen, wie wahrscheinlich vielen von Ihnen:
Gespannt habe ich meine Ohren und Augen nach Berlin ausgerichtet: Was haben die Bundeskanzlerin und die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten an neuen Regeln und Erlassen für das Leben zu verkünden?
Ich beneide die Regierungen in Bund und Ländern, die Regierungen weltweit nicht um ihre Aufgabe, verantwortlich zu handeln, alles zu tun, was dem Schutz des Lebens und der Gesundheit der Menschen dient. Dabei auch im Blick zu haben, was es braucht, damit alle heute und morgen gut leben und überleben – nicht nur in Deutschland, sondern überall auf der Welt.

Die Regierenden benötigen unsere Solidarität und unsere Gebete – natürlich auch die kritische Auseinandersetzung mit ihrer Politik.
Regeln und Erlasse werden verkündet. In unseren Gottesdiensten geht es um mehr.
In unseren Gottesdiensten verkündigen wir. Wir verkündigen die gute Botschaft:
Worte, die trösten.
Worte, die Mut machen.
Worte, die Hoffnung schenken.
Worte, die Kraft verleihen.
Wir verkündigen Gottes Wort, wie es aufgeschrieben ist in der Bibel.


Wir hören Worte aus dem Buch des Propheten Jesaja, Kapitel 40, die Verse 25 – 31 (Lesung Monika Böttner)


So spricht der Prophet im Namen Gottes zu seinem Volk, ein Volk,
das sich in großer Not befindet.
Gestrauchelt und gefallen waren die Israeliten.
Selbst die Starken, selbst die Jungen.
Geschlagen wurde sie weggeführt aus der Heimat.
Alles, was ihnen heilig ist, haben sie verloren.
Angefochten der Glaube. Niedergeschlagen die Augen.
Wo bist du, Gott?
Wo bleibst du, Trost der ganzen Welt?

In diese Situation hinein ruft der Prophet ihnen zu:
Hebt eure Augen auf!
Hebt eure Augen auf und schaut zum Himmel!
Was seht ihr da?
Den unendlichen Himmel, ein ungezähltes Meer von Sternen.
Sternenpracht in der Nacht: Was glaubt ihr, wer sie geschaffen hat?
Ich habe sie geschaffen.
Euer Schicksal steht nicht in den Sternen.
Aber an den Sternen könnt ihr meine Macht ablesen.

„Weißt du, wie viel Sternlein stehen an dem blauen Himmelszelt?
Weißt du, wie viel Wolken gehen weithin über alle Welt?
Gott, der Herr, hat sie gezählet, dass ihm auch nicht eines fehlet an der ganzen großen Zahl, an der ganzen großen Zahl.“
Unseren Kindern haben meine Frau und ich am Abend so gesungen – und sie singen es heute ihren Kindern.
Das schöne Volkslied verbindet die alten Worte des Propheten mit uns.
Sie nehmen uns die Angst und schenken guten Mut für die dunklen Stunden:

„Gott im Himmel hat an allen seine Lust, sein Wohlgefallen; kennt auch dich und hat dich lieb, kennt auch dich und hat dich lieb.“

Unsere Lebenswege sind Gott nicht verborgen – er kennt sie, auch unsere Wege in der Corona-Pandemie.
Vielleicht geht es Ihnen so wie mir mitten in all den schlimmen Nachrichten von Krankheit und Tod, von den Einschränkungen des Lebens und den unklaren Aussichten im Blick auf ein Ende der Corona-Krise:
Je länger je mehr machen mir die Einschränkungen des Lebens zu schaffen.
Heute wäre in vielen Gemeinden Konfirmation und Erstkommunion gefeiert worden.
Heute Nachmittag hätte ich gern meine Mutter im Seniorenheim besucht. Sie wartet auf Besuch.
Morgen wären viele Lehrerinnen und Schüler gern wieder in die Schule gegangen.
Wann werde ich mich wieder mit lieben Menschen an einen Tisch setzen, essen und trinken, miteinander reden – und uns bei der Begrüßung oder zum Abschied in den Arm nehmen können.
Das alles fehlt mir.
Mitunter umklammern mich die Ängste so, dass sie mir alle Lebenskraft zu nehmen drohen und ich dabei zu straucheln beginne.

Darum will ich mich ausstrecken nach den wunderbaren alten Worten des Propheten und mich von Ihnen wieder aufrichten lassen:
„Gott gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden. …
Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.“

Die auf den Herrn harren,
die gespannt bleiben auf Gott,
die können in aller Schwäche und Angst wieder aufstehen,
aufstehen zum Leben,
aufstehen zum Leben mit Gott,
aufstehen zum Leben mit Gott, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.

So gestärkt will ich in Gottes Namen in eine neue Woche gehen,
Gott heute und jeden Tag neu bitten:
Lass deine Kraft in mein Beten und Arbeiten fließen,
damit ich tun kann, was mir aufgetragen ist,
damit wir tun können, was uns aufgetragen ist:

„In Gottes Namen wolln wir finden, was verloren ist,
in Gottes Namen wolln wir suchen, was verirrt ist,
in Gottes Namen wolln wir heilen, was verletzt ist,
in Gottes Namen wolln wir stärken, was geschwächt ist,
in Gottes Namen wolln wir hüten, was lebendig ist,
wie einen Augapfel, wie mein Kind, wie eine Quelle
in Gottes Namen.
Amen.

EG 631 – instrumental

Fürbitten
Du Christus bist auferstanden,
du kommst durch steinerne Mauern und verschlossene
Türen,
du führst uns durch das, was uns unüberwindbar erscheint.
Dafür danken wir dir von Herzen.
Und wir bitten dich:
Nimm dich unser an,
die wir gefangen sind in unserem Kummer.
Nimm dich aller an, die versteinert sind in ihrer Angst und in ihrem Kummer.
Nimm dich aller an, die gelähmt sind von den großen Herausforderungen,
die sich vor ihnen aufbauen.
Schenke uns deine große, heilende Liebe.
Wende dich uns zu in unserer Not.
Halt die zerbrochenen Herzen in deinen Händen.
Lass deine Lebenskraft in uns fließen,
dass wir auffahren mit Flügeln wie Adler,
und nicht müde werden –
im Dienst an den Menschen in deiner Welt.
In einem Moment der Stille denken wir an die Menschen, von deren Leid und Sorge wir wissen und
nennen Gott ihre Namen ….

Vater unser ….

Gehet hinein in die kommende Woche mit dem Segen unseres Gottes:
Der Herr segne dich …..
Amen