Video- & Lese-Gottesdienst für Sonntag «Misericordias Domini» 26.04.2020 von Pröpstin Sabine Kropf-Brandau und Popkantor Peter Hamburger


Wichtiger Hinweis – Tägliche Telefonandachten:
An dieser Stelle wollen wir nochmals auf das Angebot der täglichen Telefonandachten hinweisen. Unter der Rufnummer 0561 9378-380 ist täglich die Andacht eines Pfarrers oder einer Pfarrerin aus Hessen zu hören.


Video-Andacht von Pröpstin Sabine Kropf-Brandau und Popkantor Peter Hamburger

YouTube-Video der EKKW:
Video-Andacht von Pröpstin Sabine Kropf-Brandau und Popkantor Peter Hamburger zum 2. Sonntag nach Ostern >>Misericordias Domini<<, 26. April 2020



Nachfolgend der Text der Video-Andacht von Pröpstin Sabine Kropf-Brandau, Misericordias Domini, 26.4.2020


Musik zu EG+ 90, Ich weiß, dass mich die Stimme führt

Herzlich willkommen zu dieser Andacht aus dem Haus der Kirche. Wir feiern sie im Namen Gottes.
Er ist ganz Ohr für alle Klage. Jesus Christus fragt mit uns: Warum? Durch Gottes Geist halten wir der Gegenwart stand und finden Kraft, auf die Zukunft zu hoffen.

Bei all dem, was uns täglich an Nachrichten, Meinungen, Warnungen, Prognosen in unsere Ohren gedröhnt wird, ist es schwer den eigenen Weg zu suchen und zu gehen:
Was ist richtig, was ist falsch? Womit schade ich anderen und auch mir selbst?

Jetzt sind wir hier zusammen. Voneinander entfernt und doch vereint. Wir wollen zur Ruhe kommen und nachdenken über das, was uns Gottes Wort sagen will.

Ich bete mit Worten von Johannes Hansen

Und ob
ich von schweren Gedanken bedrängt werde,
meine Schwächen schmerzlich erleide,
mir in dunklen Stunden selbst fremd bin,
mich in Konflikten des Alltags verletze,
mir Kritiker hart meine Grenzen zeigen,
mich das Leid meiner Menschenbrüder entsetzt
und ich im Leben mein Sterben kommen spüre,
weiß ich mich dennoch von Deiner Hand gehalten.
Und ob,
ich bin unendlich geborgen,
denn Du bist immer bei mir.
Deine Nähe umgibt mich Tag und Nacht.
Du holst mich von falschen Wegen zurück.
Du nährst mich im Hunger mit Brot und Wein.
Deinen Namen hast Du mit meinem verbunden.
Du siegst für mich über finstere Gewalten.
Dein Tisch reicht durch die Wand des Todes.
Du meinst es auf ewig gut mit mir.
Ich bin unendlich geborgen,
denn du bist immer bei mir.
Und ob.

Ein Freund meines Sohnes hat Schafe. 6 Stück im heimischen Garten. Ist er deshalb Hirte, habe ich mich gefragt? Dann würde ich nämlich tatsächlich einen kennen. Heute ist der sogenannte Hirtensonntag. Das Bild von Gott als gutem Hirten steht im Mittelpunkt vieler Texte, die zu diesem Sonntag gehören. Doch kaum jemand kennt noch einen Hirten persönlich oder hat Erfahrung mit Schafen. Macht dieses Bild dann eigentlich noch Sinn – Gott als guter Hirte?

Und wenn Gott der Hirte ist, dann sind wir wohl die Schafe. Höre ich so in mich hinein, merke ich: Ich weiß nicht recht, ob ich ein Schaf sein will. Ein Zeitungsartikel schenkt mir neue Erkenntnis und beruhigt mich zugleich. Da lese ich: Nach einer neuen Studie wird die Intelligenz von Schafen bislang unterschätzt. Also schaue ich mir mit dieser neuen Erkenntnis die Symbolik des guten Hirten und seiner Schafe nochmal an.

Ein Hirte kümmert sich um seine Schafe. Unter weiter sagt die Studie: Schafe fühlen sich nur in einer Herde wohl. Da haben wir das erste Problem. Bin ich das Schaf, dann wird mir in Coronazeiten die Herde verweigert. Höchstens meine ureigene Schaffamilie ist erlaubt. Singleschafe haben es mehr als schwer. Auch alte Schafe werden von der Herde abgesondert. Nur ganz bestimmte Größen von Weideflächen sind erlaubt. Diese Bestimmungen in der Coronazeit lösen in mir ungute Gefühle aus. Dabei will ich mit dem Hirtensonntag schöne Gefühle verbinden. Denn Gott als guter Hirte steht für solche Gefühle: Ich werde getragen, ich bin geborgen bei dem guten Hirten. Ich denke an den mir so vertrauten Psalm 23: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln…“.
Im Augenblick fühlen sich viele von uns verlassen und einsam. Herdenlos – heißt das auch Gottlos?

Ich finde dazu eine Antwort im dem für heute vorgesehenen Bibeltext aus dem 1. Petrusbrief, Kapitel 2:

21 Denn dazu seid ihr berufen, da auch Christus gelitten hat für euch und euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen; Durch seine Wunden seid ihr heil geworden. 25 Denn ihr wart wie irrende Schafe; aber ihr seid nun umgekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen.

Auch dieser Text entspricht nicht den gängigen Bildern vom guten Hirten, der verträumt sein Schäfchen im Arm hält. Der Hirte unserer Seelen ist der Mann, der an Karfreitag für seine Menschen an das Kreuz ging. Dieser Hirte lässt sein Leben für die Schafe.“

Er erlebte all den Schmerz. Er hatte Angst und fühlte sich verlassen. Sogar von Gott. „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“, schrie er am Kreuz. Viele von uns finden sich in diesen Wochen darin wieder. Spüren, mit diesen Erfahrungen ist er uns ganz nah. Wir sind zwar nicht zum Tode verurteilt, aber viele fühlen sich auch sehr einsam. Wir müssen immer noch mit den Kontaktbeschränkungen leben, und auch die Ängste und Sorgen der letzten Wochen begleiten uns weiter. All das ist nicht weg, nur weil wir Ostern gefeiert haben.

Petrus beschreibt unsere Situation in diesen Worten: „Denn ihr wart wie irrende Schafe“. Was heißt eigentlich „wart“? Wir sind noch wie irrende Schafe, unserer Herde beraubt. Wir leben von Tag zu Tag mehr oder weniger allein. Wir hören angespannt die Nachrichten, trösten uns gegenseitig mit Telefonaten, guten analogen Wünschen, Gedanken und Liedern. Wir sind immer noch im Karfreitagsmodus und warten, dass diese Coronazeit vorbei ist.

Und doch wendet Petrus mit seinen Worten unseren Blick weg von unseren Sorgen und Ängsten.
Er wendet ihn hin auf den Hirten. Der Hirte leidet für und mit seinen Schafen. „Durch seine Wunden seid ihr heil geworden.“, sagt Petrus. Eine österliche Erkenntnis. Jesus ist auferstanden und ermöglicht neues Leben trotz und gerade in sorgenvollen Zeiten.

Dieser Hirte schenkt eine Perspektive der Hoffnung. Hoffnung garantiert keinen guten Ausgang der Dinge. Hoffen heißt, darauf vertrauen, dass es sinnvoll ist, was wir tun. Hoffnung ist der Widerstand gegen Mutlosigkeit.

So kann die Nachfolge aussehen, von der Petrus in dem Predigttext spricht: Nicht vor lauter Angst erstarren, sondern jetzt mutig tun, was gerade dran ist. Darauf vertrauen, dass es sinnvoll ist. Noch stehen die Schafe allein oder in kleinen Gruppen. Noch ist vieles nicht möglich. Darüber können wir klagen. Auch das macht den guten Hirten aus. Er erträgt und trägt das Gejammer seiner Schafe. Er leidet mit seiner versprengten Herde.

Aber er schenkt uns auch das Vertrauen, dass wir die Krise bewältigen. Dass wir wieder miteinander an einem Tisch sitzen, uns wiedersehen. Gottesdienst von Angesicht zu Angesicht feiern. Uns aneinander freuen und Gott loben. Halleluja dem guten Hirten.

Und dann, dann werden die Schafe wieder ihren Alltag leben. Werden sie auch das Lob wieder vergessen? Wer weiß. Schafe sollen ja intelligenter sein, als man vermutet. Vielleicht nehmen sie die Worte des Petrus im Herzen fürs Leben mit: „Denn ihr wart wie irrende Schafe; aber ihr seid nun umgekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen“.

Herdenlos – aber niemals Gottlos! Mir gefällt mir das Bild vom guten Hirten mit seinen Schafen.

„Du bist mein Zufluchtsort. Ich berge mich in deiner Hand, denn du schützt mich Herr. Wann immer mich Angst befällt, traue ich auf dich. Ja, ich trau auf dich und sage: „Ich bin stark in der Kraft meines Herrn.“ Amen

Musik zu EG+ 101 „Du bist mein Zufluchtsort“

Gott, unser guter Hirte,
für alle, die schreien wie Jesus,
für alle Verlassenen und Einsamen bitten wir,
für Menschen, die infiziert und krank sind,
für solche, die dem Tod nahe sind,
für jene, um die sich niemand kümmert auf dieser Welt.
Wir sind hilflos, und doch beten wir zu dir mit aller Kraft.
Wir legen dir all diese Menschen ans Herz.

Wir klammern uns an die Hoffnung,
dass du ihre Schreie aufnimmst
und ihre Tränen sammelst,
dass du keinen von ihnen verloren gibst
und selbst durch den Abgrund
für sie einen Weg ins Leben findest.
Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

Segen

Improvisation zu den beiden Liedern