Video- & Lese-Gottesdienst für Sonntag «Jubilate» 03.05.2020 von Oberlandeskirchenrätin Prof. Dr. Gudrun Neebe


Wichtiger Hinweis – Tägliche Telefonandachten:
An dieser Stelle wollen wir nochmals auf das Angebot der täglichen Telefonandachten hinweisen. Unter der Rufnummer 0561 9378-380 ist täglich die Andacht eines Pfarrers oder einer Pfarrerin aus Hessen zu hören.


Video-Andacht von Oberlandeskirchenrätin Prof. Dr. Gudrun Neebe

YouTube-Video der EKKW:
Video-Andacht von Oberlandeskirchenrätin Prof. Dr. Gudrun Neebe zum 3. Sonntag nach Ostern >>Jubilate<<, 3. Mai 2020



Nachfolgend der Text der Video-Andacht von Oberlandeskirchenrätin Prof. Dr. Gudrun Neebe zum Sonntag Jubilate, 3.5.2020


Gnade sei mit euch und Friede und Liebe und Hoffnung von Jesus Christus unserem Herrn und Bruder.

Begrüßung
Herzlich willkommen zur Andacht zum Sonntag Jubilate. Mein Name ist Gudrun Neebe und ich bin in unserer Kirche für den Bereich Bildung verantwortlich. Dazu gehören auch die Schulen. Daher gestalte diese Andacht zusammen mit Schülerinnen und Schülern und Lehrkräften aus der Melanchthon-Schule Steinatal. Bei der Musik, der Lesung und den Fürbitten machen sie mit.
Die Corona-Krise beschränkt unsere Möglichkeiten sehr – auch bei dieser Andacht. Und ihre Möglichkeiten ja auch. Wir machen das Beste daraus – so gut es eben jetzt geht. Wir respektieren Regeln und setzen sie um.
Jubilate! Preist Gott, jauchzt und lobsingt fordert uns dieser Sonntag auf. So leicht ist das aller-dings zurzeit nicht. Schön wär ́s, wenn das bald wieder ohne Einschränkungen möglich wäre.
Denn Blasinstrumente erklingen zu lassen und gemeinsam zu singen ist in Coronazeiten kaum möglich. Wir haben uns viele Gedanken dazu gemacht. Wir haben Stimmen und Instrumente nach-einander aufgenommen und dann zusammengeführt. Viele haben uns dabei kräftig unterstützt. DANKE dafür!
Inzwischen sind erste Lockerungen auf den Weg gebracht. Schulen zum Beispiel nehmen zumindest in Abschlussklassen vorsichtig ihren Dienst wieder auf.
Aber solche Lockerungen freuen die einen und erfüllen andere mit Sorge. Eine Lehrerin sagte mir am Telefon, dass sie sich sehr freut ihre 4. Klasse wiederzusehen. Dann entschied das Verwaltungsgericht das anders. Homeschooling (Schulunterricht zuhause) ist mindestens bis zu den Sommerferien weiter angesagt. Eine echte Belastung für Lehrkräfte, Eltern und Schülerinnen und Schüler ist das. „Ich weiß gar nicht genau, wie die Schülerinnen und Schüler mit den Arbeitsmaterialien zu Recht kommen. Wie sollen sie denn Neues lernen, ohne Unterstützung“, schreibt mir ein Lehrer. Gerade bei Jüngeren helfen auch die Youtube-Videos nicht wirklich weiter, so interessant sie auch am Anfang sein mögen. „Ich habe meiner Freundin meine Mappe an die Tür gehängt“, hat eine Schülerin erzählt.
Wenigstens Unterricht für verkleinerte Lerngruppen im Wechsel soll es bald geben. Manche Eltern demonstrieren für die Öffnung der Kitas für alle, die es wollen, weil sie Home office und Kinderbetreuung nicht mehr schaffen können, schon gar nicht wenn sie allein erziehen.
Vor allem Jungs diskutieren, ob es sogenannte „Geisterspiele“ geben soll. Dann könnten sie zumindest am Fernseher jubeln wenn ein Tor im Stadion fällt. Andere halten so etwas zum jetzigen Zeitpunkt für unverantwortlich! Die Kultusministerkonferenz, die Familienministerin und Fachleute ringen in Video- und Telefonkonferenzen um die richtigen Maßnahmen zur rechten Zeit. Das ist wahrlich keine leichte Aufgabe! Nun bin ich mal gespannt, wie die weiteren Empfehlungen und Verordnungen aussehen werden. Denn wir müssen ja vorsichtig bleiben. Daher ist einigen zurzeit eher nicht zum Jubeln zumute.

Alles hat seine Zeit… In der Bibel, im Predigerbuch, stehen Worte, die klingen als seien sie für unsere Situation geschrieben:

Ein jegliches hat seine Zeit:
Geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit;
weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit;
klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit;
suchen hat seine Zeit, verlieren hat seine Zeit;
schweigen hat seine Zeit, reden hat seine Zeit;

Wir setzen diesen Bibeltext fort, indem wir sagen…
Grenzen setzen hat seine Zeit, Freiheit ermöglichen hat seine Zeit;
Einschränkung hat seine Zeit, Lockerung hat seine Zeit. (nach Pred 3, 1-8)

Die Coronakrise verändert viele von uns. So hören und lesen wir es vielfach. Sie stärkt den Zusammenhalt. Viele rücken näher zusammen in der Familie und in der Nachbarschaft. Wir nehmen uns anders wahr. Unser Egoismus scheint zurückzutreten. Viele denken nicht nur an sich, sondern haben auch andere im Blick. Viele sind bereit zu helfen und engagieren sich jetzt für andere. Dankbarkeit wird zum Ausdruck gebracht: Auf Balkonen oder im Garten wird „Der Mond ist aufgegangen“ oder andere Lieder gesungen. „Christ ist erstanden“ haben die Bläserinnen und Bläser am Ostersonntag geblasen, so dass man es weithin gut hören konnte. TV-Spots zeigen hilfsbereite Menschen, in Radiosendungen wird Engagierten in systemrelevanten Berufen gedankt. Anruferinnen und Anrufer wünschen sich Songs (Lieder), mit denen sie anderen danken für ihren Einsatz.
Wir wenden uns einander zu. Auch Gott wenden sich manche Menschen ganz neu zu. Sie suchen Trost im Gebet, in Liedern und Bibelworten. Sie wünschen sich Zuspruch im Gespräch. Menschen begreifen, dass sie ihr Leben und dessen Gestaltung nicht in der Hand haben. Sie werden demütig, verneigen sich vielleicht sogar vor Gott.
Demut wird als wichtige menschliche Eigenschaft neu entdeckt.
Alles hat seine Zeit! Alles zu seiner Zeit! Mögen wir diese neuen Erfahrungen und Einsichten nicht vergessen. Auch nicht, wie wichtig die Arbeit von Menschen in systemrelevanten Berufen ist und wie schlecht viele von ihnen bezahlt werden. Ich hoffe, wir korrigieren das demnächst.
Vielleicht ist es ein kleines Hoffnungszeichen, dass manche Politiker sich Listen dazu anlegen. Später wollen sie wichtige Entscheidungen auf den Weg bringen und nicht vergessen. Ich habe auch mit einer Liste begonnen, denn manches will auch ich nicht vergessen! So merke ich zum Beispiel an mir, dass ich dünnhäutiger werde. Ich fange an zu grübeln, was hinter dieser E-Mail oder hinter jener Äußerung steckt. Auf meiner Liste steht daher: Vorsichtig nachfragen und Missverständnisse gleich ausräumen!
Vielleicht ist das ja auch eine Anregung für Sie? Schreiben Sie doch auf, was Ihnen wichtig ist.
Ja, manches ist jetzt ganz anders. Ich wage zu fragen: Verändert dieser Virus uns Menschen? Und verändern wir dann miteinander manches in unserer Gesellschaft?

Der Apostel Paulus gibt uns einen wichtigen Impuls: Er schreibt…
Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur. Das Alte ist vergangen, siehe Neues ist geworden. 2. Kor. 5, 17
Paulus behauptet tatsächlich: Wer an Jesus Christus glaubt, wer ihm vertraut, wird von innen heraus irgendwie neu. Paulus denkt und glaubt an die Kraft Gottes! Er stellt sich das so vor: Wie Gott Christus aus der Macht des Todes auferweckt hat, so wirkt er in uns durch die Kraft des Glaubens und der Liebe. Neues wird in uns geweckt, Neues aufersteht: eine neue Haltung, ein neues Denken. Menschen begegnen einander mit Liebe. Andere werden zuversichtlicher oder beginnen zu hoffen.
Vielleicht ist der Spruch „Alles neu macht der Mai!“ gerade zurzeit nicht so abwegig. So wie es jetzt in der Natur sprießt, grünt und wächst, so wird auch Neues. Da, wo vorher welke Blätter oder kahle Zweige waren und blanke Erde, da keimt und wächst es jetzt. So kann in uns Neues wachsen. Das bedeutet diese Zeit nach Ostern: neues Leben wird möglich und wächst. Genau da ist die Kraft Gottes am Werk. Sie lässt in uns Hoffnung keimen und Liebe wachsen.
Für mich ist das ein Wunder!
Ist jemand in Christus…
Ich finde das großartig:
Bei aller Angst und Sorge, trotz aller Traurigkeit und Not;
Zuversicht, Liebe und Hoffnung sind nicht tot zu kriegen!
Menschen gehen aufeinander zu, die vorher öfter einfach aneinander vorbei gegangen sind. Menschen haben die Not und das Leid anderer Menschen im Blick. Nicht alle Familien sind technisch gut ausgestattet. Daher sind auch die auf Plattformen eingestellten Lernmaterialien nicht für alle Kinder und Jugendlichen verfügbar. In unserer Martin-Luther-Schule zum Beispiel liegt daher alles auch ausgedruckt in den Klassenräumen der Kinder. Die Elternvertreter regeln wann und wie das Material geholt und wie die Ergebnisse gebracht werden können. Die Lehrkräfte sehen sie dann genau durch und wissen, was die Kinder brauchen.
Auch wenn wir es kaum ertragen können oder wenn wir es jetzt vielleicht gar nicht hören wollen: Die Not der Kinder und Jugendlichen in den Flüchtlingslagern und in den Slums ist unvorstellbar groß. Wir dürfen auch sie nicht vergessen!
Daher bewundere ich den Mut und die Hilfsbereitschaft so vieler Menschen. Sie tun, was sie können bis zur Erschöpfung. Sie helfen, sie trösten, sie ermutigen, sie spenden, sie schenken. Das ist die Kraft der Auferstehung, das ist die Kraft Gottes, die ich wirken sehe und am Werk spüre. Siehe, Neues ist geworden. Das stimmt mich froh, so dass ich am liebsten mit vielen jubeln möchte. Möge diese Kraft Gottes uns alle immer wieder ergreifen und Neues wirken.

Jubilate! Stimmt mit ein… Amen
Musik

Fürbitte (7 Steine)
Lasst uns beten:
• Barmherziger Gott, nimm von uns die Last, die uns auf dem Herzen liegt. Mach uns frei von Angst und Sorge. (Stein)
• Gib den Entscheidungsträgern in Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Kirche die Kraft, die Last der Verantwortung zu tragen. (Stein) Gib ihnen Mut und Besonnenheit für ihre Entscheidungen.
• Sei bei den Kranken und Leidenden in aller Welt. Schenke den Ärztinnen und Ärzten, Pflegekräften und Helfenden Freiräume von Stress und dem ungeheuren Druck, der auf ihnen lastet. (Stein) Gib ihnen Pausen zum Durchatmen und Zeit zur Erholung.
• Wir bitten dich für die Sterbenden und die Trauernden. (Stein) Sei du ihnen Trost in ihrer Einsamkeit.
• Unsere Verwandten und Freunde, die wir nicht treffen können, bringen wir vor dich. (Stein)
• Steh den Menschen bei, die in große wirtschaftliche Not gekommen sind (Stein), und lass sie nicht auch noch in Vergessenheit geraten.
• Lass uns nicht dünnhäutig werden oder nachtragend sein in der Familie, im Betrieb, in der Schule (Stein). Gib uns Verständnis füreinander.
Barmherziger Gott höre auch die unausgesprochenen Gedanken und unser Gebet mit den Worten Jesu:
Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segen
Der barmherzige Gott segne und behüte dich. Er erfülle dein Herz mit Hoffnung, Liebe und Zuversicht.
Er schenke Dir seinen Frieden.

Amen
Musik

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