Stadtanzeiger-Beitrag und Predigt kurz für 21. März 2021


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Kirchliche Nachrichten für die

Evangelischen Kirchengemeinden Tann, Habel und Neuswarts

Evangelische Gottesdienste

Wochenspruch

„Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben als Lösegeld für viele.“ (Mt 20,28)

Sonntag, 21. März 2021 – 5. Sonntag der Passionszeit Judika

Tann                          10:00 Uhr                                         Pfarrer Jonathan Stubinitzky

Theobaldshof          09:00 Uhr                                         Pfarrer Jonathan Stubinitzky

Neuswarts                10:00 Uhr  -Konfirmation-             Pfarrerin Heike Dietrich

Gottesdienst darf nur unter Beachtung der von unserer Landeskirche herausgegebenen Sicherheits- und Hygienevorschriften gefeiert werden:

  1. Halten Sie Abstand zu anderen (mindestens 1,50 m) – beim Kommen, beim Aufsuchen der Plätze und beim Verlassen der Kirche.
  2. Bitte tragen Sie sich vor dem Gottesdienst in die Teilnehmerliste im Foyer ein, damit eventuelle Infektionen nachverfolgt werden können. Die Daten werden nur für diesen Zweck erhoben und nach einem Monat wieder vernichtet.

Am Eingang im Hauptportal und an den beiden Ausgängen stehen Desinfektionsmittel bereit.

  • Betreten Sie die Kirche nur durch das Hauptportal – außer bei Gehbehinderung und für Rollstuhlfahrer (hierfür ist der rechte Seiteneingang am zugänglichsten).
  • Die Emporen dürfen nicht genutzt werden. Bitte suchen Sie sich einen Platz im unteren Kirchenraum.
  • Tragen Sie einen Mund- und Nasenschutz: Eine vorgeschriebene FFP2-Maske oder eine OP-Maske.
  • Gemeinsames Singen ist nicht erlaubt. Bitte bringen Sie zum stillen Mitlesen von Liedern und anderen Texten möglichst Ihre eigenen Gesangbücher mit.
  • Verzichten Sie auf Körperkontakt wie Händeschütteln.
  • Zum Verlassen der Kirche bitte einen der beiden Seiteneingänge nehmen.

Leider können wir wegen Krankheit momentan keine Livestreams und Aufzeichnungen anbieten. Herzliche Einladung gern auch zu den digitalen Formaten, Streams und Kanälen anderer Gemeinden!

Bleiben Sie gesund und behütet!

Bitte informieren Sie sich auch weiterhin auf unserer Homepage http://kirche-tann.de/kirche – Bitte ab sofort bis auf Weiteres die Unterseite „Kirche“ aufrufen!

Predigt kurz vom Sonntag Lätare, 14.03.2021 zu Johannes 12,20-26

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“ (Johannes 12,24) Mit diesem Wochenspruch geht es in die zweite Halbzeit der Passion: Lätare – Deutsch: Freue dich – freuet euch – freuen Sie sich!, liebe Gemeinde, denn die Gemeinschaft mit dem leidenden Herrn Jesus Christus führt aus dem Leid, sie führt weiter, in die volle Verbindung mit ihm, ohne Verzicht und Beschränkungen.

Für heute gibt es einen Text aus der Heiligen Schrift, im Johannesevangelium

12,20-26:

Es waren aber einige Griechen unter denen, die heraufgekommen waren, um anzubeten auf dem Fest. 21Die traten zu Philippus, der aus Betsaida in Galiläa war, und baten ihn und sprachen: Herr, wir wollen Jesus sehen. 22Philippus kommt und sagt es Andreas, und Andreas und Philippus sagen’s Jesus. 23Jesus aber antwortete ihnen und sprach: Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht werde. 24Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. 25Wer sein Leben lieb hat, der verliert es; und wer sein Leben auf dieser Welt hasst, der wird’s bewahren zum ewigen Leben. 26Wer mir dienen will, der folge mir nach; und wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. Und wer mir dienen wird, den wird mein Vater ehren.

Quelle: https://www.die-bibel.de/bibeln/online-bibeln/lesen/LU17/JHN.12/Johannes-12

Liebe Schwestern und Brüder, jetzt und heute,

unser Selbsterhaltungstrieb ist groß: „Eigentlich soll alles immer so weitergehen.“: der Lebensstandard und die Gesundheit, die Tage und ihre Abläufe, die Jahre und ihre Feste. In gewisser Weise leben wir von dem, was gleich bleibt. Wir erkennen uns sogar daran wieder, dass wir irgendwie gleich bleiben. Jeder hat seinen eigenen Charakter, jeder sein Äußeres, und jeder Leib hat seine Seele, die’s nur ein einziges Mal gibt.

Dass etwas gleich bleibt, ist uns in die Wiege gelegt. Aber etwas ändert sich dann doch: Jedes Jahr eins mehr; die Zahl an Jahren wird immer größer. Das bleibt keinem Lebewesen erspart, auch denen nicht, die vor 2000 Jahren Jahr für Jahr nach Jerusalem gepilgert sind, um das Laubhüttenfest zu feiern – auch wenn das eigentlich immer gleich war, ‘um Gott anzubeten’.

In diesem Jahr aber treibt es einige Griechen zu Jesus, wie wir hören. Und sie, sie hören vor allem die Namen der Jünger, die griechisch sind: Landsleute!, da kommen sie weiter.

Bei dieser Gelegenheit nun erzählt Jesus etwas, und da geht’s um mehr als nur Angucken und Kennenlernen: Er redet zum letzten Mal vor der großen Öffentlichkeit. Ein Fest wie jedes Jahr, doch hier und heute gibt’s von ihm was Neues: “Die Stunde ist gekommen”. Etwas, das die Weltgeschichte seit Jahr und Tag noch nicht ge-sehen hat: Der Sohn Gottes, gesandt für die Menschen, sagt ihnen was, zunächst von sich selbst: ‘Mit meinem Leben bleibt nichts, wie es ist.’ Es geht nicht alles so weiter. Etwas ändert sich: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“ Das ist nicht nur der Wochenspruch für heute, der seit Menschengedenken kommt, am Sonntag Lätare, auf Deutsch ‚freu dich‘. – Freuen wir uns auch, dass es nicht ewig weitergeht mit dem Alleinbleiben, auf Abstand oder mit Wenigen, sondern weiter geht, also: weiter führt. Mit Jesus, unserem sterbenden Herrn, im Bild des Weizenkorns.

Nach sage und schreibe zwölf(!) Monaten ohne große Feste, mit Verzicht und Gemeinschaftsfasten zwangsweise, sagt uns der lebendige Gottessohn: „Freut euch! Mit euch wird’s besser!“ Die Verwandlung steht an. So wie bei ihm auf Leiden und Tod die Auferstehung folgt, damit er immer bei uns ist, so steigert er unsere Lebensqualität ins Unermessliche, wenn wir ihn hören, und er bringt unter seine Gläubigen eine Freude sondergleichen: Jetzt wird’s zum Besten. Wem jetzt Jesus Christus ins Herz redet, dem wird jeder Verzicht auf alles Angenehme auf dieser Welt zur unvergänglichen Frucht. Nicht nur äußerlich, die wir so zerstreut sind wie die Körner in die Erde fallen, sondern mit unserem ganzen Leben. „Wer sein Leben lieb hat, der verliert es; und wer sein Leben auf dieser Welt hasst, der wird’s bewahren zum ewigen Leben.“, sagt er da weiter.

Liebe Gemeinde,

wer das von sich glaubt, der sieht in allen Brüchen und Enttäuschungen von zwölf Monaten Pandemie, dass es der Menschensohn war, der in die Erde musste. Jeder flachgefallene Präsenztermin, jede gestorbene Begegnung, jede weggefallene Umarmung, jeder Abschied auf Raten oder auf dem Weg zur Erde: ‚Ich gebe mich selbst für euch‘. Wer das von Jesus glaubt, der weiß ganz genau: Gewohnheit und Tradition dieser Weltgeschichte retten vor keiner Vergänglichkeit, vor Krankheit nicht, Einsamkeit nicht, und vor dem Tod schon gar nicht. Und alle guten Fastenaktionen helfen höchstens bis zum nächsten Jahr, neu zu entdecken, was ich alles lieb habe am Leben. Doch ich hab’s nur einmal und allein, meinen Leib und meine Seele, und selbst diese beiden werden sich noch trennen, am Ende meiner Natur auf Erden, am Ende, das der Schöpfung gesetzt ist.

„Wer sein Leben lieb hat, der verliert es; und wer sein Leben auf dieser Welt hasst, der wird’s bewahren zum ewigen Leben.“ Aber indem Gottes Sohn selbst das Leben gefastet hat – er hat wirklich aufgehört damit, drei Tage lang sich in den Tod gegeben, zu dieser besonderen Zeit –, wird es sein Leben selbst sein, mit dem er uns begegnet und bewahrt, in Zeiten wie solchen und im letzten Fall, in die Erde nämlich, damit er uns verwandelt zum ewigen Leben.

Jetzt, bei dieser Gelegenheit Jesus sehen – und dann dabeisein. Egal, ob hoffnungslos verzweifelt oder lechzend nach Trost: Damals auf dem Laubhüttenfest versammelt, heute als einzelne Samenkörner auf Gottes Acker gesät.

Aus ‚Jesus sehen wollen‘ wird ‚Jesus hören‘. Heute ist dazu die Stunde gekommen. Weil Gott-Vater seinen einzigen Sohn in den Tod gegeben hat, als Einzelnen wie ein Samenkorn – genau wie wir –, ist er’s auch, der allen anderen damit garantiert: ‘Ich schütze dich.’

Nein, es geht nicht alles so weiter, Jesus sagt nicht: “Hauptsache fit, Hauptsache gesund, Hauptsache ich kann mir mein Leben noch leisten, Hauptsache die Gewohnheit zählt”. Wer so denkt und die herrliche Stunde unseres Herrn versäumt, sieht die Feste vergehen, sieht die Traditionen hinfahren, bringt ein Jahr nach dem anderen hinter sich – hinten wird die Zahl mehr –, und was bleibt, vorne? – Ein immer kleineres Stückchen Vergänglichkeit schrumpft vor sich hin; und am Ende: verlassen und vergessen.

Wir nicht, liebe Gemeinde, wenn wir Jesus sehen, seine Worte hören und (wenn’s sein muss) unser bisheriges Leben zur Erde fallen lassen: Denn davon wird nichts für den Dreck sein, sondern zu unserer Niedrigkeit vor Gott, damit alles zu seiner Ehre gereicht. – „Wer mir dienen will, der folge mir nach; und wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. Und wer mir dienen wird, den wird mein Vater ehren.“ Das sagt Jesus wiederum zu allen, nicht nur zu den Engsten und Liebsten. Er lädt herzlich ein. Die Ehre bekommen wir dann, wenn wir Jesus durch Dick und Dünn folgen. Einzeln auf Erden, hingesät und doch fest verbunden mit unserem Herrn, im Heiligen Geist, im Leiden und über seinen Kreuzestod hinaus, der uns dieses Jahr wie sonst kaum vor Augen steht und unseren Alltag durch und durch zeichnet.

Denn noch führt am Ersterben kein Weg vorbei. Damals in Jerusalem nicht, heute im Kirchspiel Tann nicht – und von wo immer Sie kommen, Jesu Worte hören, und wo Ihr Weg noch hinführt. Wer jetzt die Stunde Jesu erkennt, dem ist’s der Weg des leidenden Herrn. Dieses Jahr in der Passionszeit. Heute Jesus sehen wollen. Seine Rede hören, seine Verherrlichung auf uns wirken lassen – wo könnte das leichter sein als nach zwölf Monaten Gemeinschaft fasten, mehr oder weniger?

„Wer sein Leben lieb hat, der verliert es; und wer sein Leben auf dieser Welt hasst, der wird’s bewahren zum ewigen Leben.“ Das Heil liegt im Sterben. Im wahrsten Sinne des Wortes. Das volle Leben vor uns dank Verzicht unseres Herrn. In ihm bringen wir Frucht. Viel Frucht. Nach der Auferstehung, und jetzt schon fest verbunden durch seine Zusage.

Das ist die Zukunft der heiligen Kirche und derer, die aus Schwermut und Unsicherheit, aus Angst, Not und Gefahr, aus allen von Sterblichkeit verseuchten Landen nach Jerusalem reisen. Aber statt zum Laubhüttenfest zum ewigen Leben.

Nicht unser Selbsterhaltungstrieb ist da groß, sondern Gottes Kraft: „[W]er [seine Seele] auf dieser Welt hasst, der wird [sie] bewahren zum ewigen Leben.“ – so sagt’s Jesus wörtlich. Das, was gleich bleibt. Was bleibt. Überhaupt. Und in Ewigkeit.

Dazu, liebe Angeredete, liebe, die ihr Jesus sucht, und fest mit ihm verbunden seid, ist unsere Zeit jetzt reif und die Stunde gekommen.

Amen.

Seien Sie für die kommende Zeit gesegnet,
Ihr
Jonathan Stubinitzky, Pfr.