Stadtanzeiger-Beitrag für 11. April 2021


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Kirchliche Nachrichten für die

Evangelischen Kirchengemeinden Tann, Habel und Neuswarts

Evangelische Gottesdienste

Sonntag, 11.04.2021–1.Sonntag nach Ostern (Quasimodogeniti)

Wochenspruch: „Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.“ (1. Petr 1,3).

Tann                          10:00 Uhr                                          Pfarrerin Heike Dietrich

Theobaldshof          09:00 Uhr                                         Pfarrerin Heike Dietrich

Neuswarts                11:00 Uhr                                         Pfarrerin Heike Dietrich

Achten Sie bitte auf Aushänge/kurzfristige Änderungen aufgrund von Inzidenzzahlen und daraus sich ergebenden Vorgaben Wir versuchen, im Änderungsfall unter https://kirche-tann.de/kirche/ tagesaktuelle Infos zu geben.

Alle Gottesdienste der Stadtkirche auch online im Livestream unter www.tannlive.de

Gottesdienst darf nur unter Beachtung der von unserer Landeskirche herausgegebenen Sicherheits- und Hygienevorschriften gefeiert werden:

  1. Halten Sie Abstand zu anderen (mindestens 1,50 m) – beim Kommen, beim Aufsuchen der Plätze und beim Verlassen der Kirche.
  2. Bitte tragen Sie sich vor dem Gottesdienst in die Teilnehmerliste im Foyer ein, damit eventuelle Infektionen nachverfolgt werden können. Die Daten werden nur für diesen Zweck erhoben und nach einem Monat wieder vernichtet.

Am Eingang im Hauptportal und an den beiden Ausgängen stehen Desinfektionsmittel bereit.

  • Betreten Sie die Kirche nur durch das Hauptportal – außer bei Gehbehinderung und für Rollstuhlfahrer (hierfür ist der rechte Seiteneingang am zugänglichsten).
  • Die Emporen dürfen nicht genutzt werden. Bitte suchen Sie sich einen Platz im unteren Kirchenraum.
  • Tragen Sie einen Mund- und Nasenschutz: Eine vorgeschriebene FFP2-Maske oder eine OP-Maske.
  • Gemeinsames Singen ist nicht erlaubt. Bitte bringen Sie zum stillen Mitlesen von Liedern und anderen Texten möglichst Ihre eigenen Gesangbücher mit.
  • Verzichten Sie auf Körperkontakt wie Händeschütteln.
  • Zum Verlassen der Kirche bitte einen der beiden Seiteneingänge nehmen.

Bleiben Sie gesund und behütet!

Sollte der Inzidenzwert in den nächsten Tagen über 200 steigen, kann es zu Änderungen kommen.

Bitte informieren Sie sich auch weiterhin auf unserer Homepage http:/kirche-tann.de/kirche – Bitte ab sofort bis auf Weiteres die Unterseite „Kirche“ aufrufen!

Predigt an Gründonnerstag – Matthäus 26,17-30

Wie kostbar ist dieser Abend, liebe Gemeinde! Das letzte Mahl Jesu mit seinen Jüngern an dem Abend vor seinem Verrat, seiner Gefangennahme. Eine intensive Zeit jedes Jahr für alle Christen, die drei österlichen Tage, ein einziger bis Ostersonntagmorgen reichender Bogen, den wir spannen. Deshalb: Um Ostern wirklich zu verstehen, muss man diesen Weg symbolisch oder in Gedanken mitgehen – durch das tiefe Dunkel in ein neues Licht. Bei seinem letzten Mahl blickt Jesus selbst schon voraus auf das Mahl, dass es er im Reich Gottes feiern wird. Nach Tod und Auferstehung erscheint Jesus seinen Jüngern, wenn sie gemeinsam essen und sie erkennen ihn in dem Moment, als er das Brot bricht, so die Evangelien. Ostern und das Abendmahl gehören untrennbar zusammen. Der heutige Predigttext erzählt uns auf seine Weise, was das Abendmahl bedeutet: Die Vorbereitung der Jünger, denn es ist kein normales Abendessen unter Freunden, sondern der Vorabend zum Passah, dem Gedenken an die Befreiung aus der Gefangenschaft in Ägypten, Jesu Hinweis auf Schuld und Verrat, das gemeinsame Essen mit Judas trotz der Schuld, das Vergebung verheißt. Dass Gott sich mit den Menschen verbindet in Brot und Wein – seinen Bund erneuert.

„Und sie gingen singend in die Nacht hinaus.“ So endet der Predigttext. Über alle Zeiten hinweg – mit denen, die gewesen sind, die mit uns unterwegs sind in dieser Zeit und mit denen, die kommen werden – verbunden mit dieser Nacht, singen wir irdisch-himmlisch vereint mit dem Chor der Engel in Gottes Reich, das kommen wird und doch schon da ist, Gottes Lob. Wir sind verbunden mit Jesus – in Brot und Wein – seinem Leib und seinem Blut – enger als man es sich sonst vorstellen könnte, verbunden auch mit seiner Lehre und im Bekenntnis aller Christinnen und Christen.

Vergebung, Gemeinschaft und Verbundenheit über alle Zeiten hinweg mit Gott und den Gläubigen – das ist für uns die Bedeutung des Abendmahls. Was aber bedeutet es uns heute(noch) – gerade in dieser Zeit? Seit der Karwoche im letzten Jahr haben wir kein Abendmahl gemeinsam gefeiert. Haben wir es schmerzlich vermisst?

Kein anderes Sakrament oder Ritual verdeutlich die Nähe Gottes stärker und ich denke, wir brauchen es so dringend – besonders in dieser Zeit, wo Nähe und Verbundenheit so schwierig sind und oft nur vermittelt über Brücken, Hilfsmittel hergestellt werden kann. Es lässt uns Gottes Nähe unmittelbar spüren und ist am eindringlichsten in Zeiten, wo wir auf seinen Trost warten – wie am Ewigkeitssonntag, wenn wir als Trauernde der Verstorbenen gedenken und uns bewusst wird, dass es ja diese Trennung zwischen hier und dort nicht gibt. Wir brauchen diese Feier, das gemeinsame Mahl, um uns Gottes Gegenwart wieder und immer wieder neu bewusst zu werden und zu spüren. Gott ist gegenwärtig – das Lied des Dichters Tersteegen. Genau genommen ist das ein erstaunlicher Satz. Sonst bitten wir im Gottesdienst: Komm Heiliger Geist, komm Gott, sei uns nahe oder besonders heute Abend: Bleibe bei uns Herr…Wir beten so und leben so, als Gott nicht immer da sei oder als ob er von uns gehen könnte. Tersteegen singt: Gott ist gegenwärtig, er ist immer da: Über uns, um uns, neben uns, unter uns und in uns. Das ist sein vertrauensvolles Bekenntnis, dass wir niemals, an keinem Ort und in keinem Augenblick ohne Gott sind. Selbst in den verlassensten Tiefen der Schuld, der größten Dunkelheit im Tod. So tief kann kein Mensch sinken, nicht Judas in seinem Verrat nicht oder Jesus am Kreuz, der in die Tiefen des Todesreiches hinabsteigt, dass Gott nicht da wäre. So die Botschaft der drei heiligen Tage: Karfreitag, Karsamstag , Ostersonntag: Gestorben begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes und auferstanden in Gottes Licht.

So wäre die Frage also nicht, ob Gott da ist, sondern, ob wir so blind sind und gottvergessen, wie hinter Mauern lebend, dass wir seine Gegenwart nicht spüren. Unsere Augen sind oft blind, aber auch unsere Gedanken, unser Herz und unsere Gefühle unser ganze Wesen sind so, dass wir Gott nicht wahrnehmen. Wir bräuchten nicht darum zu beten, dass Gott kommen möge. Wir müssten eher darum beten, dass unsere Blindheit für ihn, unsere Verschlossenheit und unsere seelische Erstarrung von uns genommen würde, denn: Gott ist gegenwärtig, auch wenn wir ihn nicht spüren. Wenn wir ihn aber wahrnehmen, wenn wir seine Nähe wirklich spüren, wenn wir Abendmahl feiern und er unser Herz berührt, werden wir sehen und wir entdecken Gott in jedem Ding, in jedem Augenblick und an jeden Ort. Wer einmal am Sterbebett eines Menschen gesessen hat, ahnt, was gemeint ist. Beten, singen, das Herz für die Menschen in der Begegnung öffnen, sich von Not anrühren lassen, im Halbkreis um den Altar stehen und die Verbindung spüren zu denen, die waren, die sind oder kommen werden mit dieser einen Nacht Jesu vor seinem Abschied kann uns sehend machen. Vielleicht für diesen einen kostbaren Augenblick oder für die Zeit unseres Lebens, auch wenn wir es zwischendurch immer mal wieder vergessen: Gott ist da. Er ist um uns und in uns. Besonders in dieser schweren Zeit, in der die Menschen auf der ganzen Welt unter der Pandemie leiden, unter Trennung und Einsamkeit. Ist er da. Nicht so, wie wir es vielleicht erwarten, es wünschen und uns vorstellen. Wir sehen, was wir eigentlich schon länger wussten oder zumindest ahnten: Wir beherrschen die Natur nicht. Nicht einmal einen solch kleinen Erreger. Wir werden zurückgeworfen auf das, was Glaube im Innersten meint: Dass wir unser Vertrauen auf Gott setzen in jedem Augenblick, auch da wo wir unser Leben nicht verstehen. Das mutet uns unser Glaube zu, dass wir all unsere Nöte und Sorgen vor Gott tragen und ihm ganz überlassen, was er mit unseren Gebeten anfängt. Auch wenn wir an Gründonnerstag – nicht wie sonst – vor dem Altar stehen, verbinden wir uns im Gebet und in unserer Hoffnung auf ihn in diesen schweren Tagen. Dass wir spüren mögen: Gott ist da – immer und gerade jetzt. Er ist gegenwärtig.

Amen

Mit herzlichen Grüßen Pfarrerin Heike Dietrich