Lese-Gottesdienst Okuli 15.03.2020 Fam. Fischer


Lesegottesdienst für Sonntag Okuli, 15.03.2020, zum Nachlesen anstelle der ausgefallenen
Sonntagsgottesdienste (dankenswerterweise zur Verfügung gestellt von Lektorenehepaar
Regina und Adalbert Fischer, Hilders):

EG 124,1-2 Nun bitten wir den Heiligen Geist

L.: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
G.: Amen.
L.: Unsere Hilfe kommt von dem Herrn,
G.: der Himmel und Erde gemacht hat.

Willkommen zum Gottesdienst am dritten Sonntag in der Passionszeit – Okuli (auf Deutsch: „Augen“) – hat seinen Namen von Psalm 25,15: „Meine Augen sehen stets auf den Herrn.“ Das „auf den Herrn sehen“ wird mit einem Text aus dem Lukasevangelium noch präzisiert. In Lukas 9,57–62 sagt einer der Jünger zu Jesus: „Ich will dir folgen, wohin du auch gehst.“ Darum geht es heute in der Predigt: Jesus nachzufolgen und alles andere zurückzustellen.Gottes Wort für diese Woche, das bei Lk 9,62 steht, passt dazu: Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.

Gott ist gegenwärtig (EG 165,1-4.8)

KW 729 Psalm 63
Ich will Gott loben mein Leben lang
Gott, du bist mein Gott, den ich suche.
Es dürstet meine Seele nach dir,
   mein ganzer Mensch verlangt nach dir
   aus trockenem, dürrem Land, wo kein Wasser ist.
So schaue ich aus nach dir in deinem Heiligtum,
wollte gerne sehen deine Macht und Herrlichkeit.
   Denn deine Güte ist besser als Leben;
   meine Lippen preisen dich.
So will ich dich loben mein Leben lang
und meine Hände in deinem Namen aufheben.
   Das ist meines Herzens Freude und Wonne,
   wenn ich dich mit fröhlichem Munde loben kann;
wenn ich mich zu Bette lege, so denke ich an dich,
wenn ich wach liege, sinne ich über dich nach.
   Denn du bist mein Helfer,
   und unter dem Schatten deiner Flügel frohlocke ich.
Meine Seele hängt an dir;
deine rechte Hand hält mich.

Kommt und lasst uns Gott anbeten

Ehr´ sei dem Vater

Wir freuen uns über Augenblicke der Begeisterung, in denen das Herz in die Höhe springt. Momente, in denen wir unsere Lebendigkeit spüren können. Aber immer wieder hat uns der Alltag mit seinen Abläufen fest im Griff, wir fühlen uns wie ein Hamster im Laufrad. Unsere Sehnsucht bringen wir vor Gott und bitten ihn um sein Erbarmen: G.: Herre Gott, erbarme dich

Lasst uns beten:
Gott, du Geheimnis der Welt, du bist größer als das Universum und bist uns doch näher als unsere Haut. Dein Sohn kam in die Welt, berührbar, echt, liebevoll, bereit, mit uns fröhlich zu tanzen, sogar Wasser zu Wein zu machen. Aber auch im Leid bist du bei uns, wenn wir uns alleine und hilflos fühlen. Wir bitten dich, unseren Gott: lass uns deine Nähe spüren und rühre unser Herz an. Unsere Gedanken bringen wir vor dich durch Jesus Christus, der mit dir in der Einheit des Heiligen Geistes lebt und Leben schenkt von Ewigkeit zu Ewigkeit. / Amen.

Das Thema der Schriftlesung ist auch das Thema der Predigt. Jesus lenkt den Blick der Jünger von denen, die viel in den Gotteskasten einlegen und vor Gott etwas gelten wollen, auf die Witwe, die trotz ihrer Armut so viel gibt, wie sie kann. In den Augen der Menschen gilt die Frau nichts, und dennoch ist die ganze Kraft der Liebe Gottes in ihr lebendig. Diese Witwe vertraut auf Gott und hilft so viel sie kann.
Ich lese aus Mk 12,41-44: Dann setzte sich Jesus im Tempel in der Nähe des Schatzhauses hin und beobachtete, wie die Besucher des Tempels Geld in die Opferkästen warfen. Viele wohlhabende Leute gaben großzügig. Dann kam eine arme Witwe und steckte zwei kleine Kupfermünzen hinein – zusammen so viel wie ein Groschen. Da rief Jesus seine Jünger zu sich heran und sagte zu ihnen: »Ich versichere euch: Diese arme Witwe hat mehr gegeben als alle anderen. Die haben alle nur etwas von ihrem Überfluss abgegeben. Sie aber hat alles hergegeben, was sie selbst dringend zum Leben gebraucht hätte.« Selig sind, die das Wort Gottes hören und bewahren. Amen!

Wir bekennen gemeinsam unseren christlichen Glauben:
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde,
und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinab gestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben.
Amen.

EG 346, 1-3 Such, wer da will ein ander Ziel

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.

Der Predigttext steht in Lk 9,57-62:
Und als sie auf dem Wege waren, sprach einer zu ihm: Ich will dir folgen, wohin du gehst. Und Jesus sprach zu ihm: Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege. Und Jesus sprach zu einem andern: Folge mir nach! Der sprach aber: Herr, erlaube mir, dass ich zuvor hingehe und meinen Vater begrabe. Er aber sprach zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes! Und ein andrer sprach: Herr, ich will dir nachfolgen; aber erlaube mir zuvor, dass ich Abschied nehme von denen, die in meinem Hause sind. Jesus aber sprach zu ihm: Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes. Herr, öffne unsere Ohren und Herzen für das, was du uns sagen willst. Amen.

Wenn ich diese Worte von Jesus höre dann ist mir klar: Vor diesem Jesus hätten meine Eltern mich gewarnt. So kann man doch nicht leben und so jemandem kann man nicht nachfolgen. Er ist zwar ein mitreißender Wanderprediger, aber ohne eigenes Haus und Bett, ein Extremist und unsensibel sind seine Worte. Gilt die Familie denn gar nichts? Wo sind die sorgsamen Worte vom Kreuz, die Jesus an Maria und Johannes richtet? “Weib, siehe, das ist dein Sohn. Siehe, das ist deine Mutter.” Nichts von diesem liebevollen Klang über die Bestattung, über letzte Abschiedsworte, und wir sollen Pflügen und unbarmherzig den Blick nur in eine Richtung wenden. Und nicht nur extrem ist das, es ist auch schwer. Weil das Umdrehen so viel verführerischer ist als das Nach-vorn-Schauen. Das weiß jedes Kind, das der Plumpsack beim Rumgehen schon erwischt hat. Oder denken sie an die Geschichte von Lot und seiner Frau, die sich umdrehte und zu einer Salzsäule wurde.
Wenn die Ereignisse der Vergangenheit so sehr meine Aufmerksamkeit fesseln, dass kein Schritt voran in Richtung Zukunft möglich ist – was dann? „Wer zu mir gehören will, darf den Blick nicht zurückwenden!“ – So radikal sagt Jesus das. Wenn man – wie er – mit 30 Jahren weiß: „Man geht auf den Tod zu“, kann man so reden. Diese scharfen Worte von der Nachfolge passen wenig in unsere Welt. Wie ein fremdes UFO, das zwischen Riester-Rente, Elternabend, der Milch, die schon wieder überkocht, Angst vor Coronavirus, und dem sonntäglichen Fernseh-Tatort einen Landeplatz sucht. Zu Jesus gehören, das passt nicht in einen geruhsamen Alltag mit all seinen Anforderungen, mit unserem Lebensstil in schönen Wohnungen und gut gefüllten Vorratslagern oder Hamsterkäufen.
Manchmal nehmen wir wie Petrus vor Begeisterung den Mund zu voll, dann sind wir aber oft um eine Ausrede nicht verlegen. Auf der einen Seite höre ich mich sagen: “Ich bin bereit, mich voll und ganz in die Sache reinzuhängen!”, und auf der anderen Seite spreche ich viel zu schnell die Worte: “Im Moment ist es gerade schlecht, aber ein anderes Mal, … jeder Zeit gerne!”
Seit den Zeiten der Bibel hat sich nicht viel geändert. Und gerade deshalb sollen wir fragen, warum Jesus in den drei Beispielen so knallhart die Nachfolge fordert. Es sind drei kurze Gespräche; wir dürfen drei Menschen lauschen und gewinnen einen Einblick nicht nur in diese drei, sondern erfahren auch etwas über uns selbst. Stellen wir uns die Situation vor: Der Wundertäter und Wanderprediger Jesus ist da mit seinen Leuten, seinen Jüngern, die ihm auf Schritt und Tritt folgen. Wie schön wäre es, einfach mit ihnen zu gehen, dabei zu sein, wenn so etwas Großes passiert. Solche Gedanken mögen dem Mann durch den Kopf gegangen sein, als er allen Mut zusammennimmt, und zu Jesus sagt: Ich will dir folgen, wohin du gehst. Und wahrscheinlich hat er erwartet, dass er mit offenen Armen aufgenommen wird. Jede neue Bewegung ist doch dankbar für Unterstützer. Und dann folgt die Reaktion des großen Mannes, dem er nacheifern wollte: »Die Füchse haben ihren Bau und die Vögel ihr Nest; aber der Menschensohn hat keinen Platz, wo er sich hinlegen und ausruhen kann.« Das wäre auch für mich eine Überforderung; ich möchte mein Haus nicht verlassen – Sie etwa? Der andere hat Glück, weil Jesus zu ihm spricht: Folge mir nach! Der arme Mann hat seinen Vater verloren. Er will ihn vorher ordentlich unter die Erde bringen. Das gebieten nicht nur Sitte und Anstand, das ist auch ein Ausdruck der Liebe zum Vater. Und nicht zuletzt ist es auch eine Pflicht, die das religiöse Gesetz auferlegt. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit! Wie kann Jesus so einfach darüber hinweggehen? Nimmt er den armen Kerl nicht ernst? Der will doch mitkommen! Und dann hört er so etwas: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes! Jesus sah tiefer: Eine Trauerfeier dauerte Tage oder Wochen – bis man so alles geregelt hat, also zu lange! Schon springt ein anderer in die Bresche und drängt sich Jesus geradezu auf. Vielleicht glaubt er, eine Antwort, wie sie die anderen erhalten haben, so zu vermeiden. Herr, ich will dir nachfolgen; aber erlaube mir zuvor, dass ich Abschied nehme von denen, die in meinem Haus sind. Jesus aber sprach zu ihm: Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes. Ein bekanntes Bild aus der Landwirtschaft – ein Ochse vor einem einscharigen Pflug. Auch hier bricht es uns fast das Herz, wie schroff Jesus ihn anspricht. Nein, nicht nach hinten soll dieser Mann schauen, sondern nach vorne, sonst wird sein Weg in die Zukunft krumm und schief werden. Jesus ist auch hier offenbar Seelsorger. Er sieht das ewige Hin und Her dieses Mannes voraus. Er wird zwischen den Familienbanden und dem neuen Leben mit Jesus zerrieben werden. Ein klarer Schnitt ist für ihn wichtig, um sich voll und ganz auf Jesus konzentrieren zu können. Drei Menschen, von denen damals erzählt wird. Wir wissen nicht, wie sie sich entschieden haben. Und vielleicht wird das auch deshalb nicht in der Bibel erzählt, damit wir uns in unserem Urteil nicht von ihrer Entscheidung beeinflussen lassen. Wir sollen nachdenken, wie wir uns verhalten würden.
Sind wir bereit, für den Glauben an Jesus Christus alles aufzugeben? Da ist das Dach über dem Kopf nur ein Symbol für viele andere Dinge, auf die wir verzichten müssten, und die
uns doch so viel Sicherheit geben. Bei Jesus gibt es keine Besitzstandswahrung. Nichts, was irdisch ist, hat bei ihm Bestand. Kann ich alles zurücklassen, was mir einmal wichtig
war? Sehe ich alle Dinge dankbar als Geschenk Gottes an oder nehmen sie mich gefangen? Auch in unserer Zeit müssen Millionen Christen, wenn sie sich zu Jesus bekennen, ihre Häuser verlassen, werden bedroht, verfolgt, manche sogar getötet. Im Internet können sie genauere Informationen bekommen, z.B. bei open doors/‚offene Türen‘ gibt es einen Weltverfolgungsindex. Der Mann damals war nicht bereit, zur Not unter freiem Himmel zu schlafen. Wie kann Jesus dann wissen, ob er bereit ist oder ich bereit bin, seinem Wort zu folgen? Und das fordert: „Tut Buße, kehrt um, ändert eure Sinne und glaubt an das Evangelium!“ (nach Mk 1,14).
Wenn Jesus sagt: “Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes!”, dann kann ich das auch noch anders verstehen: „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?“ (Lk 24,5) Das waren die Worte der Engel am leeren Grab, als Jesus schon auferstanden war. Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Bezeugt euren trauernden Familienmitgliedern, dass der Tod ein Schritt zum neuen Leben ist. Du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes! Verkündige, dass die frohe Botschaft des Menschensohnes eine Botschaft des Lebens ist. Lasst euch nicht von der Trauer lähmen, so dass ihr selbst wie tot erscheint. Lasst Euch durch Gottes Wort neues Leben schenken, dann werdet ihr auch Eure Toten voller Vertrauen in Gottes Obhut wissen. Ihr werdet wieder Mut zu neuem Leben finden, zu einem Leben, wie es sich Jesus Christus für euch wünscht. Ein Leben offen für das, was Gott euch gibt. Offen für die Wege, die er euch eröffnet. Offen für die Liebe, die er euch schenkt. Nachfolge Jesu bedeutet für mich heute, einen Lebensweg zu gehen, auf dem Jesus ohne Bedenken mitgehen könnte. Einen solchen Weg ist Dietrich Bonhoeffer gegangen. Als Sohn aus gutem Hause ist er behütet aufgewachsen und die Welt stand ihm offen. Als Christ sah er, welch schlimmen Weg sein Vaterland nahm. Nach der Machtergreifung 1933 konnte jedes freie Wort das Leben kosten. Bonhoeffer unterrichtete wenige Jahre später noch angehende Pfarrer und war damit schon Gesetzesbrecher. Eine seiner Vorlesungen hatte den Titel “Nachfolge”. Bonhoeffer schrieb darin, wie wertvoll das ist, was Christus uns gibt. Die Gnade, die er schenkt, ist keine billige Gnade. Er schreibt: “Billige Gnade ist Predigt der Vergebung ohne Buße, […] ist Abendmahl ohne Bekenntnis der Sünden, […]. Billige Gnade ist Gnade ohne Nachfolge, Gnade ohne Kreuz, Gnade ohne den lebendigen, menschgewordenen Jesus Christus. […] Teuer ist die Gnade vor allem darum, weil sie Gott teuer gewesen ist, weil sie Gott das Leben seines Sohnes gekostet hat […], und weil uns nicht billig sein kann, was Gott teuer ist.”
Bonhoeffer wusste, dass es etwas kostet, dem Weg Jesu zu folgen. Für ihn kostete es schließlich das Leben. Aber uns allen hat er damit gezeigt, was es heißt, ein aufrechter Christ und Mensch zu sein. Wir sollen erkennen, was von uns ganz persönlich gefordert ist, wie wir die besonderen Aufgaben lösen, die uns gestellt sind. Was können wir kleine Lichter dazu beitragen, um in
der Welt das Licht Jesus Christi zum Leuchten zu bringen? Mit eigener Kraft nicht viel, doch Jesus hilft uns. Er hilft uns mit seinen eigenen Worten, die uns doch oft so fremd erschienen. Jesus aber sprach zu ihm: Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes. So ein antiker Pflug ist heute vielen unbekannt, es gab kein GPS, keine Traktoren, jeder dicke Stein warf den Pflug aus der Bahn. Aber beim Pflügen kommt es darauf an, eine gerade Furche zu ziehen, um den Platz auf dem Feld auszunutzen, damit viel Getreide darauf wachsen kann und der gute Boden nicht weggeschwemmt wird. Bei dieser Arbeit kann man sich nicht umdrehen; dann wird unweigerlich die Furche krumm und schief.
Genauso wenig hilft es, nur in die Ferne zu schauen. Beim Pflügen muss ich nur den kleinen Bereich vor meinen Füßen im Blick haben, nur ab und zu den Blick auf den Wende- oder Endpunkt richten, dann wird sich eine gezogene Linie harmonisch an die andere anfügen.
Im übertragenen Sinne heißt das für mich: Wenn ich dem Weg Jesu folge, darf ich nicht zurückschauen, ich darf mich nicht an die Vergangenheit klammern oder ihr nachtrauern. Ich darf aber auch nicht das erblicken wollen, was ich noch gar nicht sehen kann; ich brauche keine Angst vor der Zukunft zu haben. Wenn ich vor meine Füße schaue, dann kann ich Schritt für Schritt meinen Weg gehen. Und dann darf ich sicher sein, dass Jesus mich begleitet, wenn ich seinem Weg, wenn ich ihm folge. Dann werde ich auch die Aufgaben, die auf mich warten, erkennen und mit seiner Hilfe bewältigen. Zum Schluss der Predigt eine Kurzgeschichte, in der es um konkretes Christsein geht, um Helfen ohne großes Getöne: ‚Die drei Söhne‘.
Drei Frauen standen am Brunnen, um Wasser zu holen. Nicht weit davon entfernt saß ein alter Mann und hörte, wie sie ihre Söhne lobten. „Mein Sohn”, sagte die erste, „ist ein geschickter und wendiger Junge. Er übertrifft an Behändigkeit alle Knaben im Dorf.” „Mein Sohn”, meinte die zweite, „hat die Stimme einer Nachtigall. Wenn er singt, schweigen alle Leute und bewundern ihn. Er wird einmal ein großer Sänger werden.” Die dritte Frau schwieg. „Warum sagst du denn gar nichts?”, fragten die beiden anderen. „Ich wüsste nicht, womit ich ihn loben könnte”, entgegnete diese. „Mein Sohn ist ein gewöhnlicher Junge und hat nichts Besonderes an sich. Aber ich hoffe, er wird einmal im Leben seinen Mann stehen.” Die Frauen füllten ihre Eimer und machten sich auf den Heimweg. Der alte Mann ging langsam hinter ihnen her. Er sah, wie hart es für sie war, die schweren Gefäße zu tragen, und er wunderte sich nicht darüber, dass sie nach einer Weile ihre Last absetzten, um ein wenig zu verschnaufen. Da kamen ihnen drei Knaben entgegen. Der erste stellte sich auf die Hände und schlug Rad um Rad. „Welch ein geschickter Junge!”, riefen die Frauen. Der zweite stimmte ein Lied an, und die Frauen lauschten ihm mit Tränen in den Augen. Der dritte Junge lief zu seiner Mutter, ergriff wortlos die beiden Eimer und trug sie heim. Die Frauen wandten sich an den Greis und fragten: „Was sagst du zu unseren Söhnen?” „Eure Söhne?”, entgegnete der Greis verwundert, „ich habe nur einen einzigen Sohn gesehen!” (Leo N. Tolstoi)
Im Evangelium des Johannes (13,35) steht: „Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.“

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinn in Jesus Christus. Amen!

EG 625 Wir strecken uns nach dir

Lasst uns beten:
Gott, du Liebhaber des Lebens, immer wieder kommst du uns nahe,
durchbrichst einen Augenblick lang unseren Alltag und rührst unser Herz an.
Wir bitten dich, schenke uns offene Augen und ein weites Herz, damit diese Augenblicke
nicht unbemerkt an uns vorüberziehen, sondern wir uns von dir bewegen lassen.
Wir bitten dich für die Menschen, die deine Nähe brauchen,
weil sie gelähmt sind von Traurigkeit, die um einen geliebten Menschen trauern.
Schenke ihnen Kraft und Wegbegleiter, die an ihrer Seite gehen, Schritt für Schritt durch
die Traurigkeit und gehe du mit.
Wir bitten dich für diejenigen, die auf der Stelle treten, deren Leben festgefahren ist
und denen der Mut fehlt, neue Wege zu gehen. Schenke ihnen neue Leichtigkeit und Mut,
damit sie sich auf unbekanntes Land wagen können.
Wir bitten dich für alle, die sich sorgen um die Zukunft oder den Coronavirus. Sprich zu den
Mächtigen und zu den Geringen, die Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeit und Teilhabe wünschen.
Sprich zu allen, die nach Wegen in die Zukunft suchen und fragen, was uns wirklich tragen
kann. Sprich du, dass sie hören von deiner Kraft. Sprich zu den Politikern, die Kriege
führen, dass sie sich vor dir verantworten müssen. Gib ihnen Weisheit und Liebe, wie sie
mit den Millionen Vertriebenen umgehen sollen.
Wir sagen unserem Gott in der Stille, was uns bewegt: …

Gemeinsam beten wir weiter mit den Worten, die uns Jesus Christus geschenkt hat:
Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

EG 590 Herr, wir bitten, komm und segne uns

Gottes Wort für diese Woche steht Lk 9,62:
Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das
Reich Gottes.

Und nun lasst uns um den Segen des HERRN bitten:
Der Herr segne dich und behüte dich.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden. / Amen.

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