Lese-Gottesdienst ‚Sexagesimä‘ am 7.2.2021 von Pfarrer Jonathan Stubinitzky


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Lesegottesdienst am Sonntag Sexagesimä, 07.02.2021, Kirchspiel Tann, Pfr. J. Stubinitzky

Anklicken + Lesen: Bibeltext Lukas 8, 8-15
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Dieser Gottesdienst wurde wegen der schwierigen Wetterlage nicht gehalten bzw. gestreamt. Herzlichen Dank und Gottes Segen dennoch allen, die sich für die Mitwirkung vorbereitet hatten.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Ich grüße Sie herzlich zum Sonntag Sexagesimä, dem vorletzten vor der Passionszeit.

„Wie haben Sie das nochmal gemeint?“ – eine Frage, die Wunder wirken kann. „Wie meinst du das?“ / Es schützt vor Missverständnissen, klärt vieles auf, kann aber auch weitere Fragezeichen produzieren: In so manchen Parlamenten und Gremien, aber auch zuhause an einem Tisch oder am Telefon. Und wo das Sprechen schwer und schwerer wird, ist’s umso wichtiger: Wie ist was gemeint? Wie dürfen wir’s verstehen?

Mit dieser Frage gehen die Jünger unseren Herrn Jesus an. Es folgt eine Erklärung von Wert, die ich mit Ihnen teile, liebe Gemeinde.

Lied (z. B. auf Youtube anhörbar) EG 196,1-4 Herr, für dein Wort sei hoch gepreist

Predigt

Lesen Sie den ersten Teil des Predigttextes:

Predigttext Teil I Lukas 8,4–8

Vom Sämann
4Als nun eine große Menge beieinander war und sie aus jeder Stadt zu ihm eilten, sprach er durch ein Gleichnis: 5Es ging ein Sämann aus zu säen seinen Samen. Und indem er säte, fiel einiges an den Weg und wurde zertreten, und die Vögel unter dem Himmel fraßen’s auf. 6Und anderes fiel auf den Fels; und als es aufging, verdorrte es, weil es keine Feuchtigkeit hatte. 7Und anderes fiel mitten unter die Dornen; und die Dornen gingen mit auf und erstickten’s. 8Und anderes fiel auf das gute Land; und es ging auf und trug hundertfach Frucht. Da er das sagte, rief er: Wer Ohren hat zu hören, der höre!
https://www.die-bibel.de/bibeln/online-bibeln/lesen/LU17/LUK.8/Lukas-8

„Wer Ohren hat zu hören, der höre!“ – Alles klar? Denn wem die Ohren angewachsen sind und sonst alles in Ordnung, der hört ja vermutlich auch damit. Doch offensichtlich versteht’s nicht jeder, und in manchem Ohr, das die Leute spazieren tragen, verfehlt dieses Gleichnis seine Wirkung. So auch – wer hätte es gedacht – bei den Jüngern Jesu: Nein, es ist nicht alles klar. Auch bei ihnen nicht. Irgendwem muss der Kragen geplatzt sein, die allwissende Fassade fällt, und schließlich platzt es aus allen heraus: „Wie hast du das nochmal gemeint?“

Eine Frage, die stammt nicht aus einer schlecht gemachten Prüfung, nach dem Motto: Solange der Prüfling zurückfragt, kann der Lehrer nichts anderes fragen. „Wie haben Sie das nochmal gemeint?“, stammt auch nicht aus dem Konfirmandenunterricht, womit ‚schlaue Leute‘ Zeit schinden können.

Nein, ich bin dermaßen dankbar, dass einer der Jünger angefangen hat und zeigt sein Fragezeichen, und dass schließlich alle fragen, ihn, unseren Herrn. Denn unser Herr erzählt nicht einfach irgendein Gleichnis, sondern er geht ganz konkret auf das ein, was seine Lieben jetzt brauchen. Und ja, er verrät uns, wie er’s meint, zu uns und mit uns.

Hier legt Jesus selbst aus, was er vorher gesagt hat. Welch Glücksgriff für uns! Auf Nachfrage. Auf besonderen Wunsch. ‚So dürft ihr‘s verstehen.‘ Alles klar? – Nein, nicht alles klar. Denn es fehlt ja noch der Inhalt, was er gesagt hat. Darum lesen wir, wie’s weitergeht, in den Versen 9-15:

Predigttext Teil II Lukas 8,9-15

Vom Sinn der Gleichnisse
9Es fragten ihn aber seine Jünger, was dies Gleichnis bedeute. 10Er aber sprach: Euch ist’s gegeben, zu wissen die Geheimnisse des Reiches Gottes, den andern aber ist’s gegeben in Gleichnissen, dass sie es sehen und doch nicht sehen und hören und nicht verstehen.

Die Deutung des Gleichnisses vom Sämann
11Das ist aber das Gleichnis: Der Same ist das Wort Gottes. 12Die aber an dem Weg, das sind die, die es hören; danach kommt der Teufel und nimmt das Wort von ihrem Herzen, damit sie nicht glauben und selig werden. 13Die aber auf dem Fels sind die: Wenn sie es hören, nehmen sie das Wort mit Freuden an. Sie haben aber keine Wurzel; eine Zeit lang glauben sie, und zu der Zeit der Anfechtung fallen sie ab. 14Was aber unter die Dornen fiel, sind die, die es hören und gehen hin und ersticken unter den Sorgen, dem Reichtum und den Freuden des Lebens und bringen keine Frucht zur Reife. 15Das aber auf dem guten Land sind die, die das Wort hören und behalten in einem feinen, guten Herzen und bringen Frucht in Geduld.
https://www.die-bibel.de/bibeln/online-bibeln/lesen/LU17/LUK.8/Lukas-8

„Hört, ihr Herrn, und lasst euch sagen:
Unsre Glock hat vier geschlagen!
Vierfach ist das Ackerfeld;
Mensch, wie ist dein Herz bestellt?“

Liebe Lese-Gemeinde,

was eine süddeutsche Weisheit sein soll, treibt die Frage Jesu auf die Spitze. Nicht: „Wie hast du‘s gemeint?“, sondern: Wie steht’s um uns? Auf welchem Acker stehen wir? Das fragt er uns. Nicht mehr die große Menge, die da aus etlichen Städten zusammengewürfelt auftaucht, nicht die zwölf Jünger, die ihn beiseite nehmen, sondern diese eine Frage hat er an mich und Sie alle: Top oder Flop. Gut oder schlecht. ‚Wie steht’s um mein Herz?‘ Aus vier mach zwei: Gottes Wort hören und behalten: Ja oder nein. Nehme ich auf, was Frucht bringt, oder vergeht’s, verdorrt’s, er-stickt’s? Frucht oder nicht?

Warum auf den anderen drei Vierteln des Ackers ein Teil zertreten, vergangen oder verschlungen und erstickt ist in den Fängen anderer Gewächse – genau so steht’s nämlich wörtlich da –, das interessiert hier nicht. Es geht nur noch darum: Ist mein Herz gut, zur Frucht?

Ja, mein‘s, denn es geht vor allem um mich: „Mensch(!!!), wie ist mein Herz bestellt?“, das heißt von welcher Sorte bin ich? Und wieder gibt’s nur zwei Möglichkeiten: Ein Leben mit oder ohne Frucht.

Das Wort Gottes hören und bewahren bringt Frucht. Dazu sagt Jesus später noch einmal den berühmten Satz: „Selig sind, die das Wort Gottes hören und bewahren.“ (Lk 11,28)

Alles andere bringt keine Frucht: Als wenn jemand des Wort überhört, als wäre gar nichts gesät worden. Das gibt’s auch. Das kennt Jesus zu gut, von der großen Menge aus mancherlei Städten, die gar nicht erst zu ihm kommen. Denn er sagt: „[D]en andern aber ist’s gegeben in Gleichnissen, dass sie es sehen und doch nicht sehen und hören und nicht verstehen“.

Deshalb schenkt er uns diesen Ohrwurm: „Wer Ohren hat zu hören, der höre!“, und für ein Frucht-bringendes, also gelingendes, Leben sollen wir das Wort Gottes hören und bewahren. Demnach doch keine überflüssige Anweisung, solange Tritte und Trockenheit und Dornen alles Hören und Verstehen schwer machen.

Etwas aber, liebe Menge der Gemeinde Jesu, ist bei mir und bei uns wie bei allen Menschen: Nicht alles trägt Frucht. Nicht alles, was wir anfassen, gelingt. Nicht alles, was wir uns wünschen, wird. Nicht alles, was uns geschenkt ist, trifft seinen Zweck. Also: Irgendwie steht‘s schwierig um uns. Das merken wir, noch bevor Gott sein Wort sät: Frucht fällt nicht vom Himmel, sondern gedeiht nur mit Geduld.

Und über allem schwebt da die Sorge, was macht es noch mit uns: diese besondere Zeit, die Gefahr, dass wir Leib und Leben, unseren Reichtum und die Hoffnung auf freudigere Zeiten statt an ein Wunder der Medizin an ein großes Fragezeichen verlieren: Wie steht’s um mich? Warum fällt viel von meiner Mühe auf so unfruchtbaren Boden?

Wo bleibe ich, wenn alles weniger wird; Herr, wie darf ich das verstehen???

– Nein, nicht alles klar!, denn danach gefragt, sind’s wieder drei Gründe, die uns umtreiben: die Sorge, der Reichtum und die Freuden dieses Lebens. Drei Gründe, die die Saat ersticken, sagt Jesus, „und bringen keine Frucht zur Reife.“

Es ist nicht die Sorge, „Wie komm‘ ich auf gutes Land?“, die da erstickt. Sondern die Sorge um unseren bisherigen Lebenswandel schadet. Außerdem: Reichtum und Freuden dieses Lebens er-sticken das Wort Gottes. Es ist nicht die Armut, die unsere Menge überfällt, es ist nicht die Traurigkeit, die Geselligkeit auf Sparflamme, die ausgefallenen ‚Events‘ und was immer uns die Lebensfreude nehmen will. Was erstickt, ist der Irrglaube, es würde alles so weiterlaufen wie bisher oder wir kehrten irgendwann in den Februar 2020 zurück.

Reichtum und Freuden behindern das Reich Gottes; Armut und Traurigkeit nicht, wenn nur das gute Land Gottes unsere einzige Sorge ist.

Haben wir Ohren zu hören, wie sie in Jesus auf uns warten, die Geheimnisse des Reiches Gottes? So hat sich Gott unser Leben jetzt gedacht: dass wir mitten in den Sorgen dieser Weltgeschichte ihn hören, der kennt auch alle unsere Gedanken, unsere Worte, unsere Taten, und der weiß umso besser, worauf wir vergeblich gewartet haben, um was wir uns mit der größten Liebe gekümmert haben, aber der Kontakt zu jemandem ist eingegangen, oder diese Zeit hat uns einsam ‚den Rest‘ gegeben.

Unseren Gott hören und nur für ihn Frucht bringen, nicht für die Sorgen, den Reichtum und die Freuden dieser Welt. Dazu soll sein Reich unsere einzige Hoffnung sein, damit wir da hineinwachsen, zur Frucht, mit Ohren, die hören, und Herzen, die’s bewahren.

Wer nicht weggeht aus der Menge, wer dabei bleibt, wo einer Jesus beiseite nimmt, wer nur die eine Sorge nach Gottes Wort hat: Wie komme ich auf gutes Land?, dem ist‘s keine Sorge mehr, der liest und hört bei vielen Gelegenheiten mit hörenden Ohren und bewahrendem Herzen von Gottes Reich. Auf gutem Boden, wo Armut und Traurigkeit nichts ersticken können.

Wer Ohren hat zu hören, der höre! / Das aber auf dem guten Land sind die, die das Wort hören und behalten in einem feinen, guten Herzen und bringen Frucht in Geduld.

Wie wird mein Herz gut bestellt? – Dank der Nachfrage der Jünger Jesu: Bleiben wir an unserem Herrn dran!, und hören wir, gerade in den Fragezeichen dieser Zeit, worauf er uns einlässt:

Unser Gott sät sein Wort. Er sät weiter und weiter, auch in Seuchen-Zeiten, damit wir hören und bewahren in Geduld. Er ist es, der unsere Geduld zu seiner persönlichen Sorge macht:

Egal, was noch unsere Saat zertritt, ob wir gut gemeinte Wünsche aussäen oder Worte Salz in die letzte Wunde streuen: ‚Wie war das nochmal gemeint?‘ Mit Gottes Wort in Ohr und Herz, da haben wir immer neuen Samen, zu dem Gott selbst sein Verständnis gibt, in Jesus Christus, damit diese Frucht in uns wächst und gedeiht:

Mit unserem ganzen Leben ausgesät aus Gottes Hand, überreich gesegnet in seinem Wort, da kann uns selbst niemand zertreten, nichts ersticken, kein Übel uns austrocknen und keine Not uns Mangel leiden lassen.

Gottes Saat lässt uns Früchte tragen, wo wir sein Wort wieder und wieder hören und bewahren. So wird alle Sorge ums Reich Gottes, alle Armut und alle Traurigkeit von heute ein Gleichnis, woraus Gott, der Herr, Frucht aufgehen lässt: nicht doppelt, nicht vierfach, sondern hundertfach. Viel viel mehr als vorher hingesät. Überreichlich. Gehört, verstanden und bewahrt.

Und wir die, an denen’s geschieht. Wie der Same auf dem Acker, so unser Leben mit Gottes Wort. Immer noch. Immer wieder. Auch dann, wenn in meinem Leben ein großes Fragezeichen nach dem anderen auftaucht. Dann nimmt mein Herz wieder und wieder die Antwort auf, wie Jesu Gemeinde schon immer hoffnungsvoll nachgefragt hat: „Wie hast du das Gleichnis gemeint?“

Top oder Flop. Gut oder schlecht. Frucht bringen oder nicht. Eins von beiden. So ist das gemeint, und wird einmal glasklar werden, wenn einmal alle Fragezeichen gelöst sind. Auf welcher Seite stehe ich, wenn der letzte Same fällt?: Der Hebräerbrief (4,12-13) schaut‘s voraus: „Denn das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer als jedes zweischneidige Schwert und dringt durch, bis es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens. Und kein Geschöpf ist vor ihm verborgen, sondern es ist alles bloß und aufgedeckt vor den Augen dessen, dem wir Rechenschaft geben müssen.“

Bis dahin Frucht werden lassen, das geht langsam, doch ein ganzes Christenleben lang. Statt Zeit schinden: geduldig sein, solange Gott sein Wort sät, auch in dieser Zeit, bei vielen Fragezeichen, aber ebenso vielen Wegen und Mitteln, doch ganz gewiss auf den Tag hin, wenn unsere Frucht einmal steht.

Darum: Wer Ohren hat zu hören, der höre. Und selig sind, die das Wort Gottes hören und bewahren.

Amen.

Lied (z. B. auf Youtube anhörbar) EG 73,1+5+6 Auf, Seele, auf und säume nicht

Fürbittengebet

Herr Jesus Christus,

Gottes lebendiges Wort für uns; dein heiliger Geist zum Hören und Verstehen auf gutem Land. Wir danken dir, dass dein Wort uns aufrichtet und stärkt in allen Sorgen, dass es denen den Weg weist, die Entscheidungen zu treffen haben, die sich wieder und wieder für die bestmögliche Gemeinschaft einsetzen unter uns. Wir bitten um das gute Land besonders für die Benachteiligten und die mit zertretenen Plänen, dass sie dein Wort hören und behalten.

Wir danken dir für allen unseren Reichtum, nach wie vor, unsere Versorgung, unsere Behandlungen und Pflege, aber auch unsere wirklich gute Versorgung mit Informationen und geistlichen Angeboten in Hülle und Fülle, in denen du dein Wort säst. Wir bitten dich für die in jeder Hinsicht Unterdrückten und in ihren Freiheiten Erstickten, dass sie dein Wort hören und behalten.

Wir danken dir für alle Freuden dieses Lebens, jetzt, immer noch, und an die wir uns dankbar erinnern. Wir bitten dich für die, die jetzt wenig Grund zur Freude haben, die um ihre Existenz bangen, die sich keine Zukunft vorstellen können und für die, die in dieser Zeit antriebslos oder depressiv geworden sind, für die in ihrer körperlichen Kraft und in ihrem Lebensmut Ausgetrockneten, dass sie dein Wort hören und behalten.

Wir danken dir für die Mitglieder unserer digital stattgefundenen Landessynode, unsere Gremienverantwortlichen, die Leitenden und Regierenden der anderen Kirchen und Gemeinden, besonders für Bischof Michael Gerber und Bischöfin Beate Hofmann, ihre Verantwortung und Entscheidungen, für die Vorbereitung des Ökumenischen Kirchentages, und wo immer sie deinem Wort das gute, kostbare Land bereiten, und anderen im Dienst am Wort und Sakrament zum Vorbild dienen, dem Verständnis, der Annäherung und dem Hören und Behalten deines Wortes.

Vaterunser

Wochenspruch: Heute, wenn ihr seine Stimme hören werdet, so verstockt eure Herzen nicht. (Hebräer 3,15)

Segen

So segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

Amen.

Herzliche Einladung, besonders an diejenigen ohne Internetzugang, zur Telefonandacht von Pfarrerin Natascha Weigelt, Hilders, Sonntags, 18.00 Uhr, unter Tel.-Nr. 0821 89 99 03 70 (kostenfrei).

Bekanntgaben für das Kirchspiel Tann separat, vgl. auch Stadtanzeiger und besonders unsere Homepage: https://kirche-tann.de/.