Gedanken & Gebote in dieser Zeit


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© Kreuz von Michael Gaida – Pixabay

Liebe Gemeinde!
Seit gut einer Woche ist unser Land im Ausnahmezustand. Als am vorletzten Wochenende bekannt wurde, dass Schulen und Kitas schließen müssen und auch den Kirchen Gottesdienste und Veranstaltungen verboten sind, war für uns als Pfarrer und Kirchenvorstand die vordringlichste Aufgabe, für die Umsetzung der Bestimmungen in unseren drei Kindertagesstätten und der Diakoniestation zu sorgen. Wir haben in dieser Woche viel telefoniert, viele E-Mails zu lesen, zu besprechen und weiterzuleiten gehabt. Wir trafen auf verständnisvolle Menschen, denen wir sagen mussten, dass die geplanten Konfirmationen, Taufen und Jubiläen in den Sommer oder Herbst verschoben werden müssen.
Viele Gespräche habe ich in dieser Woche geführt und gemerkt, wie unterschiedlich der Blick – momentan noch – auf die Lage ist. Die Meinungen gehen sehr weit auseinander und reichen von Panik und großer Angst bis hin zu einer kritischen Sicht auf die Maßnahmen, die unsere Regierung dem ganzen Land auferlegt und der Frage, ob diese Krankheit wirklich schlimmer sei als die alljährliche Grippewelle, die auch einer gewissen Anzahl von Menschen das Leben kostet.
Es ist sicherlich gut und angeraten, sich fortlaufend zu informieren, aber nicht ständig auf den Life -Ticker zu schauen, denn bei mir selber merke ich inzwischen auch, dass es schwere Arbeit ist, sich nicht auch noch von dem „Panikvirus“ anstecken zu lassen. Den Ernst der Lage zu leugnen wäre fahrlässig, aber panisch zu reagieren und wie manche Lebensmittel zu hamstern und aus Angst um sich selbst keinen Blick mehr für die Mitmenschen zu haben, wie der Freund, der seine Freundin immer vorangehen ließ und darauf achtete, dass sie alleine die Türklinken anfassen musste, ist sicherlich nicht gut.
Auch sollten wir uns jetzt nicht auf die Populisten verlassen, die die Gesellschaft spalten wollen oder auf Verschwörungstheorien hören (z.B. die Amerikaner hätten das Virus nach China gebracht). Diese Theorien, die im Internet verbreitet werden, lassen tatsächlich Zweifel aufkommen, ob sich am Aberglauben der Menschen seit dem Mittelalter etwas Nennenswertes geändert hat. Nur das damals nicht die Amerikaner, sondern die Hexen schuld an den Krankheiten waren.
Im Moment wissen wir noch nicht, wie schlimm es für unser Land kommen wird. Jeder für sich sollte aber – trotz kritischen Blickes – sein Bestes tun, um andere nicht anzustecken, weiter seine Aufgaben erledigen und sich um die Menschen in seinem Umfeld kümmern. Gott hat uns ein Herz gegeben, aber er hat uns auch mit Verstand ausgestattet, den wir gerade jetzt reichlich gebrauchen sollen, damit wir besonnen reagieren.
Während der Corona-Epidemie erleben wir eine umfassende Quarantäne, die uns Verzicht in vielen Bereichen auferlegt mitten in der vierzigtägigen Fastenzeit vor Ostern. Was, wenn wir das, was die Fastenzeit uns auch ohne Ausnahmesituation vorschlägt, tatsächlich beherzigen würden?
Das heißt, sich Zeit zu nehmen zur Besinnung und zum Umdenken: Wie haben wir gelebt? Wie sind wir mit uns, mit unserer Umwelt, den Mitmenschen und den Tieren umgegangen? Ist Globalisierung in dieser Form wirklich ein guter Weg?
„In der Not kehren die Menschen das Beste und das Schlechteste hervor“ las ich in dieser Woche und ich denke, das ist, was wir auch alle erfahren in diesen Tagen. Als Christen wollen wir uns bemühen, mit einer guten Mischung aus Nächstenliebe, Gottvertrauen und innerem Rückgrat diese Zeit zu bestehen.
Auf Martin Luther geht der Gedanke zurück, dass ein glaubender Mensch jeden Tag „neue 10 Gebote“ entwerfen kann, die für die Situation passen.
Hier ein Versuch, den ich (im Internet!) gefunden habe:
10 Gebote für die Corona-Zeit

  1. Du sollst deine Mitmenschen lieben, komm ihnen aber gerade deswegen nicht zu nahe. Übe dich in „liebevoller Distanz“. Auf deine Gesundheit und die deiner Mitmenschen zu achten ist immer wichtig. Jetzt kann es lebenswichtig werden.
  2. Du sollst nicht horten – weder Klopapier noch Nudeln und schon gar keine Desinfektionsmittel oder gar Schutzkleidung. Die werden in Kliniken gebraucht, nicht im Gästeklo zu Hause.
  3. Die Pandemie sollte das Beste aus dem machen, was in dir steckt. Keinen Corona-Wolf und kein Covid-Monster, sondern einen engagierten, solidarischen Mitmenschen.
  4. Du solltest ruhig auf manches verzichten. Quarantäne-Zeiten sind Fastenzeiten. Dafür gewinnst du andere Freiheit hinzu. Das passt sehr gut in die Zeit vor Ostern.
  5. Du sollst keine Panik verbreiten. Panik ist nie ein guter Ratgeber, zu keiner Zeit. Gesunder Menschenverstand und Humor dagegen schon. Deshalb hör auf Fachleute, beruhige andere und schmunzele über dich selbst. Da macht man erst mal nichts falsch, und es trägt sehr zur seelischen Gesundheit bei.
  6. Du solltest von „den Alten“ lernen. In früheren Zeiten von Seuchen und Pestilenz, als es noch keine so gute Medizin wie heute gab, halfen Menschen vor allem ein gesundes Gottvertrauen und die tätige Fürsorge füreinander. Das ist auch heute sicher hilfreich.
  7. Du solltest vor allem die Menschen trösten und stärken, die krank werden, leiden oder sterben. Und auch die, die um sie trauern. Sei der Mensch für andere, den du selbst gern um dich hättest.
  8. Du solltest anderen beistehen, die deine Hilfe brauchen: Einsamen, Ängstlichen, Angeschlagenen. Oder Menschen, die jetzt beruflich unter Druck geraten. Das hilft nicht nur ihnen, sondern macht dich auch selbst frei.
  9. Du solltest frei, kreativ und aktiv mit der Pandemie umgehen. Dazu sind wir von Gott berufen. Du wirst am Ende vielleicht überrascht sein, was sie Positives aus dir und anderen herausholt.
  10. Du solltest keine Angst vor Stille und Ruhe haben. Wenn die Quarantäne zu mehr Zeit zum Umdenken, zum Lesen und für die Familie führt, wäre das ein guter „sekundärer Krankheitsgewinn“.

Im Namen des Kirchenvorstandes grüße ich Sie alle herzlich! Bleiben Sie im Gebet verbunden!
Ihre Pfarrerin Heike Dietrich

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