Kirche


Die evangelische Stadtkirche in Tann (Rhön) – ein Wahrzeichen im Ulsertal

 

Historisches
Im Stadtbild von Tann ragt die Stadtkirche weit heraus. Die Geschichte Tanns ist bis heute geprägt durch Eberhard von der Tann, einem Freund     Martin Luthers, der am 22. November 1534 den ersten evangelischen Pfarrer nach Tann berief und 1564 eine neue Stadtkirche erbauen ließ. Am 12. Mai 1879 fiel diese kleine barocke Kirche dem großen Stadtbrand zum Opfer. An gleicher Stelle wurde in den Jahren 1886-89 die heutige Stadtkirche im damals modernen neugotischen Stil nach den Plänen des Landbaumeisters Carl Weise aus Eisenach errichtet. Inzwischen zweimal restauriert zeigt sie sich dem Besucher im Innern in ihrer annähernd ursprünglichen Gestalt. Offiziell eingeweiht wurde diese Kirche am 5. September 1889. Beeinflusst von den Ideen der Romantik hatte man in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts häufig versucht, Dome im alten Stil zu erbauen. Nicht  überall ist das so gut gelungen wie in Tann. Der mächtige neugotische Bau mit seinem 72 m hohen Turm ist zum Wahrzeichen des unteren Ulstertales  geworden.

 

 

Glocken
Zu den Opfern der beiden Weltkriege zählten auch in Tann die Glocken der Stadtkirche. Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges begann man schon bald mit einer regelmäßigen Glockensammlung.
Im September 1949 konnten die Glocken in der Glockengießerei abgenommen werden. Die Glocken waren nicht aus bewährter Rotbronze (Kupfer und Zinn), sondern aus Weißbronze (eine Zinklegierung). Dieses wesentlich billigere Metall hat den Vorteil, dass es „kriegsuntauglich“ ist. Am 12. Oktober 1949 trafen die Glocken in Tann ein.

Im Festgottesdienst am Reformationsfest sprach der damalige Dekan Willi Schuster aus Fulda den alten Choral, dessen vier erste Töne die Glocken anschlagen: „Herr Gott, dich loben wir“.

Die Glocken des Vierergeläutes mit den Schlagtönen „e, g, a, c“ tragen am Schlagring die Umschrift:

+ MICH GOSS MEISTER BENJAMIN GRÜNINGER WILLINGEN-NEU-ULM 1949. + Foto Stadtkirche

Bei der größten Glocke verläuft am Hals zwischen Reifen folgende Umschrift:
+ ICH BIN DIE AUFERSTEHUNG UND DAS LEBEN + TOTENGLOCKE FÜR TANN RHÖN. +

Bei der zweiten Glocke lautet die obere Inschrift:
+ HALTET AN AM GEBET + BETGLOCKE FÜR TANN RHÖN. +

Bei der dritten Glocke:
+ TUT BUSSE DAS HIMMELREICH IST NAHE HERANGEKOMMEN + BEICHTGLOCKE FÜR TANN RHÖN. +

In der Mitte der vierten Glocke ist das Wappen der Adelsfamilie von der Tann mit der Unterschrift:
+ KRAFFT TANN. + Dazu die Umschrift:
+ AUF DASS WIR FRIEDEN HÄTTEN + TAUFGLOCKE FÜR TANN RHÖN +

 

 

Kirchanlage
Die kreuzförmige, dreischiffige Anlage beeindruckt mit ihren Emporen und einem imposanten Altarraum. Das Hauptschiff hat drei Joche, zwei im Querschiff und ein Joch im Chor mit fünfseitigem Schluss. Das Kreuzgewölbe ist ohne Rippen, aber mit Gurtbögen auf Blattkonsolen.

Mit ihren 1200 Sitzplätzen und einer vorzüglichen Akustik dient die Kirche nicht nur als Gottesdienstraum für die evangelische Gemeinde, sondern wird auch als einer der akustisch besten Konzerträume des Fuldaer Landes häufig genutzt. Diese Kirche als Gottesdienst- und Konzertraum zu erleben ist immer wieder ein Genuss.

 

Chorraum
Über dem schweren Altar aus Michelnauer Naturtuffstein hängt ein lebensgroßer Kruzifixus, gearbeitet von dem Tanner Holzbildhauermeister Kieser, ein Meisterwerk Rhöner Schnitzkunst.

Bedeutsam ist die Thematik der Glasfenster im Altarraum: in der Mitte der Auferstandene, der den Jüngern erscheint und auf die Wundmale in seinen Händen verweist. Der Zweifler Thomas fällt vor Christus nieder und bekennt: „Mein Herr und mein Gott“.
Zeugen des Auferstandenen in den Seitenfenstern: rechts die Apostel Petrus (mit dem Schlüssel) und Paulus (mit dem Schwert), links Eberhard von der Tann, der die Reformation in Tann einführte, und sein Freund Martin Luther, der auf der nahen Wartburg mit der Bibelübersetzung begann.

 

Kanzel
Sehr beziehungsreich sind die Holzbildwerke auf der geschnitzten Kanzel aus dem vorigen Jahrhundert angeordnet: in der Mitte Christus, das aufgeschlagene Buch in der Hand, die Buchstaben A und O bedeuten Anfang und Ende, er ist der Erste und der Letzte; auf der einen Seite daneben die Evangelisten Matthäus (mit dem Engel) und Markus (mit dem Löwen), auf der anderen Seite Lukas (mit dem Stier) und Johannes (mit dem Adler). Der Prediger auf der Kanzel und die Gemeinde werden so auf das Christuszeugnis der Evangelisten verwiesen.

 

Orgel
Im Jahre 1971 erhielt die Kirche endlich auch eine dem Raum angemessene Orgel, ein dreimanualiges Werk aus der Werkstatt des Rothenburger Orgelbaumeisters Noeske, im Jahre 2000 erweitert und fertig gestellt von der Firma Hofmann aus Ostheim. Nach Umbau- und Erweiterungsmaßnahmen verfügt die Orgel auf Haupt-, Brust-, Schwell- und Pedalwerk über 37 Register mit insgesamt 2629 Pfeifen aus verschiedenen Zinnlegierungen und Edelhölzern.

 

Vorraum
Über dem Ausgang hängt das Bild des Gekreuzigten, es stammt aus dem alten Altaraufbau vor der Renovierung und ist vermutlich von J. H. Tischbein, dem Älteren, gemalt.

In der Vorhalle sind außer den Gedenktafeln für die Toten des ersten Weltkrieges mehrere wertvolle barocke und klassizistische Grabsteine zu sehen. Um sie vor weiterer Verwitterung zu schützen wurden sie in den neunziger Jahren von der Außenmauer der Friedhofskirche in die Stadtkirche versetzt.

 

 

Unseren aktuellen Flyer können Sie hier herunterladen >

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

XHTML: You can use these tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>